1Einleitung

Der Titel „Leinen los!“ wird verstanden als Anspielung auf die Bedeutung leinen- und maulkorbfreier Hundeauslaufbereiche in der Stadt. Da diese Thematik überdies aus freiraumplanerischer Sicht Neuland ist, machen wir uns metaphorisch bereit, in See zu stechen und meinen in diesem Sinne: „Leinen los!“

In Wien sind derzeit 117 Hundezonen und Hundeauslaufbereiche ausgewiesen (Stichtag 04.09.06). Diese städtischen Hundefreiräume sind von den an öffentlichen Orten gültigen Bestimmungen des Leinen- oder Maulkorbgebotes ausgenommen. Dem stehen 50.000 gemeldete und nach Schätzungen noch mal so viele nicht gemeldete Hunde gegenüber (vgl. Kose et al. 2000, S. 53).

Im Zuge unseres Studiums der Landschaftsplanung und –pflege wurden wir wiederholt auf Hundezonen aufmerksam. Bei der Gestaltung urbaner Freiflächen sind Hundebereiche vielfach Diskussionsthema. Unser Interesse, wie PlanerInnen den Nutzungskonflikten und unterschiedlichen Ansprüchen von Hunden, HundehalterInnen und anderen NutzerInnen der öffentlichen Freiräume gerecht werden, konnte in der fachspezifischen Literatur nur unzureichend gestillt werden, da dieses brisante Thema in der freiraumplanerischen Literatur nur peripher behandelt wird. Die vorliegende Arbeit beginnt diese Lücke zu füllen. Die Behandlung des Themas durch AbsolventInnen der Landschaftsplanung und -pflege empfiehlt sich, da unsere Profession durch eine breit gefächerte, disziplinübergreifende Methodik geprägt ist. Die Befähigung biologische, hier insbesondere hundepsychologische Gesichtspunkte mit sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden, den politischen und behördlichen Handhabungen, rechtlichen Rahmenbedingungen sowie dem planerischen Rüstzeug zu verknüpfen, ist Arbeitsgebiet dieses Studiums.

Ziel unserer Forschung ist es, die Errichtung von Hundezonen wissenschaftlich zu diskutieren. Hierbei gilt es zunächst zu klären, mit welchen Vor- und Nachteilen Menschen durch Hundehaltung konfrontiert werden, ob Hunde im urbanen Raum art- beziehungsweise tiergerecht zu halten sind und welche Gründe die vielfach zu beobachtende funktionale Zerteilung öffentlicher Freiflächen rechtfertigen. Das Hauptaugenmerk unserer Forschungsarbeit stellt die Suche nach gestalterischen Mitteln und Prinzipien dar, die eine Konfliktminderung zwischen den NutzerInnen städtischer Freiräume, den HundehalterInnen und ihren Tieren zu gewährleisten vermag. Die Ergebnisse unserer Forschung dienen PlanerInnen, betroffenen Behörden, PolitikerInnen, Interessensvertretungen, (Nicht )HundehalterInnen und letztlich allen mit den in Wiener Parks ausgewiesenen Hundezonen Konfrontierten als systematische Darstellung relevanter Gesichtspunkte.

Eine gemeinsame Diplomarbeit zu verfassen bietet sich einerseits aufgrund des breiten Umfanges unserer Recherchen an, die nicht nur freiraumplanerische Theorien sondern auch umfassende Einarbeitung in das Thema Hund, Hundepsychologie und Hundehaltung in der Stadt beinhalten, und befähigt uns andererseits, die gewählte Methodik des „ExpertInneninterviews“ und der qualitativen Leitfadeninterviews vor Ort zu verfolgen. Die Fähigkeit im Team zu arbeiten und sich zu koordinieren ist gerade in heutiger Zeit speziell im beruflichen Alltag gefragt. Unsere unterschiedlichen Blickwinkel und Sichtweisen tragen zu einer breiten, objektiven Behandlung der mitunter emotional belegten Thematik bei.

Die Brisanz des Themas „Hunde in der Stadt“ wurde zusätzlich durch die im Laufe unserer Beschäftigung an der Diplomarbeit in den Medien präsente Initiative „Eltern gegen Hundekot“ evident. Im Mai 2006 wurde die „Wiener Hundstrümmerlpetition“ mit über 150.000 Unterschriften der Wiener Umweltstadträtin Sima übergeben (vgl. www.hundekot.at). Das öffentliche Interesse und die anschließenden Diskussionen in Internetforen und Fernsehsendungen aber auch im privaten Bereich bestätigten uns in unserer Themenwahl „Hunde im öffentlichen Raum“ aus freiraumplanerischer Sicht zu beleuchten. Wenngleich die Verschmutzung öffentlicher Freiflächen durch Hundekot die Diskussionen überwiegt, liegt auf dieser Problematik in unserer Arbeit nur wenig Augenmerk, zudem es hinlänglich Studien und Lösungsvorschläge gibt (vgl. Ehmayer 2002, Kose et al. 2000). Wir beleuchten abseits der dominierenden, emotional geführten Debatte über Hundekot die Hundehaltung in der Stadt.