1Hundehaltung in Wien

1.1Hundezahlen

Umfassende Auflistung und Vergleich der statistischen Daten sind in der von Purtscher im Auftrag der Umweltanwaltschaft verfassten Studie nachzulesen (vgl. Purtscher 2001, S. 9-16). Im Folgenden werden lediglich die aktuellsten Daten dargestellt. Wie aus Tabelle 1 ersichtlich, setzt sich der 2001 erstmals festgestellte Zuwachs an gemeldeten Hunden kontinuierlich fort. So sind derzeit in Wien 50.282 Hunde gemeldet. Der Höchststand war im Jahr 1980 mit 59.446 Hunden erreicht (vgl. Purtscher 2001, S. 11).

Tabelle 1: Gemeldete Hunde in Wien 2001-2006


Diese Daten werden im Zuge der in Wien für Hunde ab drei Monaten zu entrichtende Hundeabgabe in der Höhe von 43,60 € für den ersten Hund und 65,40 € für jeden weiteren gewonnen. Es werden keine Rassezugehörigkeiten erhoben. (vgl. Hund und Recht).

1.2Hundezonen

Seit August 1991 sieht das Wiener Tierhaltegesetz vor, dass vom Magistrat Teile öffentlicher Parkanlagen als „Hundezone“ und Teile anderer geeigneter Grünflächen wie Lagerwiesen als „Hundeauslaufplätze“ mit Tafeln (Abbildung 12) ausgewiesen werden können, in denen der Maulkorb- und Leinenzwang aber auch das Verunreinigungsverbot (durch Hundekot) ausgesetzt sind. Zudem kann ein Verbot der Mitnahme von Hunden (Hundeverbot) verfügt werden (vgl. Hund und Recht). „Die Ausweisung von Hundezonen ist nicht nur eine Antwort auf die Problematik der Verschmutzung des öffentlichen Raumes, sondern auch auf das von HundehalterInnen geforderte Recht des Hundes auf Bewegung, die Möglichkeit des Freilaufes, bei dem die Hunde rennen, toben und miteinander spielen können“ (Kose et al. 2000, S. 74).

Abbildung 13: Tafeln zur Ausweisung von Hunde(verbots)zonen

Da sich die Begriffe „Hundezone“ und „Hundeauslaufplatz“ weder funktional noch rechtlich unterscheiden, werden sie im Weiteren unter dem Ausdruck „Hundezone“ zusammengefasst. „Leider wurde verabsäumt die Begriffe näher zu erläutern: Hundezone und Hundeauslaufplatz unterscheiden sich im wesentliche[n] durch die Flächenausdehnung, die Grenze liegt, ohne daß dies irgendwo definiert wurde, etwa um die 1.000 m². Hundezonen sind kleiner Hundeauslaufplätze größer als etwa 1.000 m²“ (Kose et al. 2000, S. 74). Nach Angaben des Stadtgartenamtes gibt es „…keine exakte Definition. ...eine Hundezone ist etwas `kleiner´. Ein Hundeauslauf etwas `größer´, sodass der Hund auch laufen kann“ (Ratzka 2003 aus: Fröhlich et al. 2003, S. 3). Eine spezifischere Begriffsdefinition schlagen wir im Teil IV vor.

Eine vorgesehene Funktion dieser Bereiche wird im Wiener Tierhaltegesetz nicht konkretisiert. Die Ausweisung derartiger Bereiche hat „…unter Berücksichtigung des Bedürfnisses nach solchen Anlagen und Flächen, ihrer Größe und Lage, aber auch der berechtigten Ansprüche sonstiger Benützerinnen oder Benützer, insbesondere von Kindern, auf Schutz vor von Hunden ausgehenden Belästigungen und Gefahren, oder aus sonstigen Gründen der ordnungsgemäßen Benützung“ zu erfolgen. Der Wiener Tierschutzombudsmann nimmt an, dass besonders die Verschmutzung durch Hundekot Anlass für diese Gesetzgebung war, dies allerdings nicht Sinn und Zweck dieser Bereiche ist (vgl. ExpertInneninterview).

Bei der Errichtung neuer Hundezonen haben die GrundeigentümerInnen, der Tierschutzombudsmann, die Bundespolizeidirektion Wien oder der/die zuständige BezirksvorsteherIn ein Anhörungsrecht beim zuständigen Magistrat. Neu im Wiener Tierhaltegesetz ist, dass Hundezonen, die ab dem 1.1.2006 errichtet werden, über selbstschließende, nach innen schwingende Türen und eine Einzäunung verfügen müssen (vgl. Hund und Recht).

Derzeit gibt es 117 Hundezonen im Wiener Gemeindegebiet. Die kleinsten sind 10 m² bzw. 50 m², die größte Hundezone im Prater erstreckt sich über eine Fläche von 250.000 m² (vgl. Tabelle 2). Im Vergleich zum Juli 1995 mit cirka 615.460 m² (aus: Kofler 1995, Anhang) stieg die Flächenausdehnung in den letzten elf Jahren um über 40 % auf etwa 890.210 m² an (Stichtag 4.9.06). So verfügen mittlerweile alle Wiener Gemeindebezirke über zumindest eine Hundezone.

Laut im Internet veröffentlichter Auflistung verfügen 70 über eine vollständige Einzäunung, wobei dies nach eigener Erhebung oft nicht vollständig oder nicht ausreichend hoch ausgeführt ist. Neun Zonen sind teilweise, die restlichen gar nicht eingezäunt. 39 der 117 Zonen sind mit Hundetränken ausgestattet.

Tab. 2: Hundezonen in Wiener Parks

Einzäunung:
vorhanden: ("t" = teilweise)
keine vorhanden:

Hundetränke:
vorhanden:
keine vorhanden:

Bezirk

Adresse

Größe

Einzäunung

Hundetränke

1.

Franz-Josefs-Kai 39

1.400 m2

1.

Stadtpark, Wienflußpromenade

1.750 m2

2.

Max-Winter-Park (Hundeklo)

500 m2

2.

Prater (Kaiserallee/Rustenschacherallee)

250.000 m2

2.

Wilhelm-Kienzl-Park

1.800 m2

3.

Arenbergpark

1.500 m2

3.

Baumgasse "Rundweg"

1.500 m2

3.

Donaukanal/Weissgerberlände, Höhe Hundertwasserhaus

1.000 m2

3.

Kardinal-Nagl-Park

700 m2

3.

Linke-Bahngasse

1.300 m2

3.

Schweizergarten (Arsenalstraße/Ghegastraße )

5.100 m2

3.

Schweizergarten (Landstraßergürtel/Schweizergartenstraße )

1.900 m2

3.

Wohnpark Rennweg (Landstraßer Hauptstraße 148)

150 m2

4.

Rubenspark

330 m2

5.

Einsiedlerpark

270 m2

5.

Ernst-Arnold-Park

250 m2

5.

Ernst-Lichtblau-Park

200 m2

5.

Hundsturmpark

100 m2

5.

Klieberpark

150 m2

5.

Leopold-Rister-Park

500 m2

5.

Margaretengürtel / Eichenstraße

2.600 m2

5.

Margaretengürtel / Schönbrunnerstraße

450 m2

5.

Rudolf-Sallinger-Park

120 m2

5.

Schütte-Lihotzky-Park

50 m2

5.

Spengergasse (vorm Bacherpark )

230 m2

6.

Esterhazypark

450 m2

6.

Linke-Wienzeile (vorm Alfred-Grünwald-Park )

500 m2

7.

Lerchenfeldergürtel bei Lerchenfelderstrasse

800 m2

7.

Weghuberpark

300 m2

8.

Hamerlingpark

450 m2

8.

Hernalser-Gürtel

300 m2

8.

Schönbornpark

1.500 m2

9.

Arne-Carlsson-Park

500 m2

9.

Lichtentalerpark

1.000 m2

10.

Alfred-Böhm-Park

6.600 m2

10.

Antonspark

1.800 m2

, t

10.

Arthaberpark

310 m2

10.

Erholungsgebiet Wienerberg-Ost (MA 49)

11.000 m2

10.

Fortunapark

260 m2

10.

Hebbelpark

370 m2

10.

Heuberggstättenpark

150.000 m2

10.

Humboldtpark

200 m2

10.

Keplerplatz

250 m2

10.

Löwygrube (Bitterlichstraße)

160.000 m2

10.

Paltrampark

300 m2

10.

Puchsbaumpark

400 m2

, t

10.

Waldmüllerpark

4.800 m2

10.

Wielandpark

280 m2

10.

Wiesenburgergasse/Klausenburgerstraße

1.600 m2

11.

Am Kanal (Geiselbergstraße bis Zehetbauergasse)

3.000 m2

11.

Am Kanal / Weissenböckstraße

4.400 m2

, t

11.

Am Hofgartel (Leberberg)

1.360 m2

, t

11.

Bleriotweg

1.600 m2

11.

Flammweg

1.100 m2

11.

Haugerpark

520 m2

, t

11.

Leberberg/Leberweg (MA 49)

2.000 m2

11.

Luise Montaggasse (Lorystraße/Am Kanal)

1.400 m2

, t

12.

Breitenfurterstraße (bei Grundig)

5.000 m2

12.

Edelsinnstraße (Philadelphiabrücke bis Wienerbergbrücke)

5.000 m2

12.

ehemalige Verbindungsbahn (Schönbrunner Allee/Strohberggasse)

1.500 m2

12.

Flohberg

2.000 m2

12.

Korbergasse 5

200 m2

12.

Steinbauerpark

1.300 m2

12.

Steinhagegasse 12

750 m2

12.

Theresienbadpark

2.300 m2

12.

Untermeidlinger Straße (vorm Meidlinger Friedhof)

3.000 m2

12.

Vierthalergasse 4

400 m2

12.

Zanaschkagasse

11.400 m2

13.

Hügelpark

1.800 m2

13.

Napoleonwald

10.000 m2

13.

Roter Berg

10.000 m2

14.

Cossmanngasse

2.000 m2

14.

Hadikpark

20.700 m2

, t

14.

Matznerpark

6.000 m2

14.

Ordeltpark

2.100 m2

14.

Steinhoferpark

13.000 m2

15.

Dadlerpark

1.700 m2

15.

Forschneritschpark

700 m2

15.

Kranzgasse/Herklotzgasse

800 m2

15.

Mariahilfer Straße/Winkelmannstraße

1850 m2

15.

Reithofferpark

1.500 m2

15.

Vogelweidpark

1.600 m2

16.

Kongreßpark (Liebknechtgasse)

3.700 m2

16.

Richard-Wagner-Park

400 m2

17.

Alszeile (gegenüber Sportclubplatz)

400 m2

17.

Lorenz-Bayer-Park

200 m2

18.

Schubertpark (Währingerstraße 125)

730 m2

18.

Türkenschanzpark (Gregor-Mendel-Straße)

1.400 m2

18.

Türkenschanzpark (Hasenauerstraße)

2.000 m2

18.

Währingerpark

4.000 m2

19.

Hugo-Wolf-Park

7.000 m2

19.

Saarpark

900 m2

19.

Trautenauplatz (Olympiapark)

3.800 m2

20.

Allerheiligenpark

5.000 m2

20.

Brigittapark

10 m2

20.

Durchlaufstraße (Hellwagstraße/Vorgartenstraße)

1.700 m2

20.

Forsthauspark

3.000 m2

20.

Mortarapark (Hundeklo), Mortaraplatz gegenüber 9/Leystraße

1.000 m2

20.

Nordwestbahnstraße (Waldmüllergasse/Pappenheimgasse)

800 m2

20.

Wehlistraße gegenüber 16 (Schmetterlingspark)

100 m2

21.

Angelibad

12.500 m2

21.

Denglerpark

2.500 m2

, t

21.

Floridsdorfer Aupark

9.000 m2

21.

Illgasse/Aistgasst

3.700 m2

, t

22.

Erzherzog-Karl-Strasse/Polgarstrasse

3.500 m2

22.

Hirschstettner Badeteich (südlicher Teil)

30.000 m2

22.

Industriestrasse/Zeisigweg (Rehlacke)

2.500 m2

22.

Ingeborg-Bachmann-Park

500 m2

22.

Thonetgasse (MA 49)

500 m2

23.

Draschegründe (MA 49)

2.000 m2

23.

Draschepark (entlang ÖBB)

21.000 m2

23.

Fridtjof-Nansen-Park

1.400 m2

23.

Gutheil-Schoderg./Brändströmg.

4.500 m2

23.

Michael-Bauspack-Park (Erlaaer Platz)

5.600 m2

23.

Möllergasse

7.250 m2

23.

Ölzeltpark (Geßlgasse)

320 m2

23.

Theophil-Hansen-Gasse/Rudolf-Waisenhorn-Gasse

7.500 m2



Besonders in den innerstädtischen Bezirken, in denen Grünflächen rar, die Hundedichte aber hoch ist, ist die Bereitstellung ausreichender und ausreichend großer Hundezonen problematisch. So erstrecken sich die 34 Hundezonen in den Bezirken innerhalb des Gürtels über 279.650 m², wobei davon beinahe 90 % auf die Hundezone im Prater verfallen. Außerhalb des Gürtels bestehen 83 Hundezonen mit gesamt 610.560 m². Große Bereiche städtischer Freiflächen sind durch die Ausweisung der „Hundeverbotszonen“ aber auch nach anderen Bestimmungen für Hunde verboten, wie der Lainzer Tiergarten mit 2.342 Hektar oder der Schönbrunner Schlosspark mit 158 Hektar (vgl. Purtscher 2001, S. 29). So rechnet Purtscher mit einer tatsächlichen Verfügbarkeit an Hundeauslaufbereichen im „grünen“ 13. Bezirk von „weniger als ein[em] Fünftel der gesamten Nettogrünfläche Hietzing“ (Purtscher 2001, S. 26). In den Stadtrandbereichen stehen den HundehalterInnen zusätzlich alternative Auslaufbereiche für Hunde bereit.

Wie uns von vielen Stellen bestätigt wurde, ist besonders die Errichtung eingezäunter Hundezonen mit hohen budgetären Ausgaben verbunden. Die Hundezonen werden von den jeweiligen Bezirken finanziert (Riedel, Wimmer, Gsandtner, persönliches Gespräch 2006). So kostete die Errichtung der Umzäunung und der Zugangstore der 2.500 m² großen Hundezone an der Industriestraße im 22. Wiener Gemeindebezirk, laut Bericht des Kontrollamtes, rund 21.500 € (vgl. Kontrollamt 2005).

Die grundstücksverwaltende Behörde (MA 42, MA 49) ist für die Pflege und Reinhaltung zuständig, da in diesen der/die HundehalterIn von der Wegräumpflicht befreit ist (vgl. Hund und Recht).

Im Zuge der HundezonennutzerInnen-Befragungen wurde uns die Entstehung der Hundezone vor dem Alfred-Grünwaldpark im 4. Bezirk von einer „Expertin vor Ort“ geschildert. Gerade die Mütter der näheren Umgebung forderten aus Gründen der Sicherheit und der Verunreinigungen eine Hundeverbotszone für den als Kinderspielplatz gestalteten Alfred-Grünwaldpark. Als Ausgleich wurde vor diesem, durch hohe Werbeflächen und Eingangstore getrennt, eine der ersten Hundezonen Wiens eingerichtet. In zahlreichen Wiener Parks sind die Kinderspielbereiche und/oder die Hundezonen durch Zäune abgetrennt. Eine Befragte beim Angelibad im 21. Bezirk gab an, bei den Demonstrationen für eine Hundezone an der Alten Donau beteiligt gewesen zu sein. Hier entstand eine Zone aufgrund des Bedürfnisses der HundehalterInnen. Die Entstehung der ersten Hundezonen lässt sich scheinbar auf das geäußerte Verlangen der Hundehalterinnen und der Bevölkerung zurückführen.

Hundefreiräume werden vorwiegend in den „Ungunstlagen“ der Stadt und der Parkanlagen errichtet. So die auf einer Mülldeponie befindliche Heuberggstätten, der nahe der Autobahn in einem Hochwasserüberschwemmungsgebiet gelegenen Hundeauslaufzone an der Gutheil-Schoder-Straße oder die am stark befahrenen Gaudenzdorfer Gürtel gelegene Fläche. Die Hundezonen der innerstädtischen Parkanlagen sind zumeist am Rande dieser positioniert und von außen begehbar, um potentielle Konflikte mit anderen ParknutzerInnen zu vermeiden.

Neben der Funktion die Brisanz der Verschmutzung der Stadt durch Hundekot zu entschärfen, werden die Hundezonen als Ort genutzt werden, den Hund ohne Leine und Maulkorb frei laufen zu lassen und ihm Sozialkontakt mit anderen Artgenossen zu ermöglichen. In Hundezonen besteht die Möglichkeit diesen Raum für autonome Exploration und, um ihr natürliches Verhalten auszuleben, zu bieten.