1Typologie der Hundezonen

In Wien gibt es mittlerweile 117 Hundezonen und die Tendenz ist immer noch leicht steigend. Bei unseren Besuchen fanden wir viele verschiedene Möglichkeiten, dem Hund seine Fläche zu gewähren. Außergewöhnliche Bereiche sind zum Beispiel die Hundeklos in Margareten, die mit Schaufel und Mistkübel ausgestattet sind, oder die vollautomatische Wassertoilette am Brigittaplatz sowie mehrere zweigeteilte Flächen am Allerheiligenplatz oder im Mortarapark. Hundezonen sind manchmal nur Straßenabschnitte mit einem Grünstreifen die einfach durch eine Tafel als solche ausgewiesen sind. Ein besonderes Beispiel ist hier der Geh- und Radweg in der Nordwestbahnstraße (Abb. 25). Oft wird so versucht, Restflächen einer „sinnvollen“ Nutzung zuzuführen. Das andere Ende der Skala stellen große Gebiete wie die Hundezone „Löwygrube“ dar. Um die verschiedenen Ausprägungen von Hundebereichen trotzdem vergleichbar zu machen, erschien uns eine Typologisierung sinnvoll. Bei der Erstellung einer Systematik klassifizierten wir die Flächen in vier verschiedene Kategorien. Kriterium für die Einteilung war neben der Größe der Fläche das Vorhanden-Sein einer Umzäunung. So reicht die Typologie von der Kategorie 1, kleine Flächen ohne Einzäunung (Hundsturmpark), über die Kategorie 2, kleine eingezäunte Flächen (Esterhazypark), und Kategorie 3, große eingezäunte Flächen (Waldmüllerpark), bis hin zu Kategorie 4, die Flächen einschließt, die größer als 2000 m² sind und nicht eingezäunt sind (Heuberggstätten oder Prater).

Kategorie 1

Kurzbeschreibung: kleine Flächen unter 1000 m², nicht beziehungsweise unzureichend eingezäunt

Beispielflächen: Schütte -Lihotzky Park, Hundsturmpark, Einsiedlerpark

Abb. 25: Nordwestbahnstraße

Spezialfälle: z.B. Hundeklos in Margareten

Ausstattung/Charakteristik: Zu dem Wert der 1000 m² kommen wir durch die Meinung, dass in Flächen, die in diesem Grenzbereich liegen, bei fehlender Einzäunung trotz vermeintlicher Großzügigkeit die Nutzungsvariationen beschränkt sind. Der Hund bleibt hier aufgrund des Sicherheitsrisikos (Straße) meist an der Leine. Er hat geringe Chancen seine Bedürfnisse, außer Kot und Harn ablassen, auszuleben. Die Aufenthaltsdauer ist meist gering, da zu erledigende Geschäfte schnell getan sind. Die Flächen werden trotzdem gerne angenommen, da viele Hunde speziell auf Grün veräußern. Die Widmung ist klar. Dadurch werden Streitigkeiten vermieden. Diese Bereiche helfen bei der Reinhaltung von anderen Flächen. Die Konzentration an einem kleinen Ort erleichtert die Reinigung. Sie erfüllen ihren bescheidenen Zweck auch schon bei geringen Größen, dann ist die regelmäßige Reinigung aber von größerer Bedeutung. Dabei spielt wiederum der Bodenbelag eine wichtige Rolle. Kann man hier die Selbstverantwortung der NutzerInnen fordern, oder soll weiterhin die Kommune für die Reinigung aufkommen? Die Hundeklos in Margareten sind ein erster Ansatz dazu. Eine kleine Schotterfläche ist mit Sackerlautomat, Schauferl, Pissreifen und Mistkübel ausgestatteten.

Abb. 26 und 27: Hundeklo in Margareten und im Brigittapark

Dem/der HundebesitzerIn soll es so angenehm wie möglich gemacht werden, sich um die Exkremente des Hundes zu kümmern. Eine echte Studie über die Effektivität ist noch ausständig. In jedem Fall ist es ein Anziehungspunkt für notdürftige Hunde, wie man rund um die Flächen beobachten kann. Dies ist allerdings ebenso ein Indiz für die teilweise mangelnde Aufräumdisziplin. Eine Konzentration auf kleine Flächen ist problematisch, bedeutet dies doch eine Konzentration von Geruch und Verschmutzung und wirkt dadurch selbst für HundebesitzerInnen abstoßend. was einen gegenteiligen Effekt hat.

Fazit: Diese Flächen sind Tier-Toiletten und erfüllen als solche ihre Bestimmung ordentlich. Benutzer und Begleitmensch nehmen diese Flächen gerne an, auch wenn sie verständlicherweise meist weniger als zehn Minuten auf dieser Fläche verbringen. Laut Aussagen sind die Nähe zum Wohnort und ein Weg, damit man weiß wo man hintritt, von Bedeutung.





Kategorie 2

Kurzbeschreibung: kleine Flächen unter 800 m²; eingezäunt

Beispielflächen: Esterhazypark, Hundezone vor dem Alfred-Grünwaldpark

Abb. 28: Esterhazypark

Spezialfälle: z.B.: Alfred-Grünwaldpark

Ausstattung/Charakteristik: Die Mindestgröße einer Hundezone wird in Literatur und von befragten ExpertInnen in etwa mit diesem Wert veranschlagt (vgl. Bleiweiss & Böck 1995, S. 19). Neben der Nutzung von Kategorie 1 schafft der vorhandene Zaun eine weitere Möglichkeit. Der Hund kann sich frei auf der Fläche bewegen ohne dauernd unter Kontrolle seines/r menschlichen Begleiters/in zu sein. Eine wichtige Vorrausetzung für die artgerechte Haltung in der Stadt (siehe Kapitel Mensch-Hund-Beziehung). Foto Die BenutzerInnen geben an, dass sie meist länger als eine halbe Stunde bleiben. Dies hängt besonders von den anderen NutzerInnen der Zone ab. Wenn es Beschäftigung gibt, bleibt man gerne. Bänke werden gefordert oder als angenehm empfunden. Beleuchtung und Schattenplätze sind erwünscht. Wasserstellen werden als wichtig angesehen. Dies ist eine Fläche die auch zum Spielen mit dem Hund genutzt wird, falls einmal keine anderen Hunde da sind. Neue Anforderungen werden an die Fläche gestellt (siehe Kapitel Ausstattung). Diese Flächen werden nicht nur regelmäßig besucht, man identifiziert sich auch zum Teil mit Ihnen. Die Leute kennen sich und kommen gerne, bleiben auch lange. Ein besonders Beispiel entdeckten wir im Alfred-Grünwald-Park, wo sich interessante Mechanismen der Selbstregulation einstellten durch den Einsatz Einzelner (Siehe Kapitel Hundezonenbenutzerbefragung).

Fazit: Aufgrund des Platzmangels in Innerstädtischen Bezirken eine kleine Fläche die aber für viele Hunde ein guter Ort ist, um sich zu entspannen und zu toben. Nicht nur die Ausstattung und Größe solcher Flächen ist von Bedeutung, sondern auch das soziale Gefüge das sich immer einstellt wenn Menschen zusammenkommen. Dies bestimmt inwieweit die Identifikation, und somit die Verantwortlichkeit mit dem Areal geht. Ein wichtiger Punkt bei der Selbstregulation und Nachhaltigen Nutzung von öffentlichen Flächen (siehe Kapitel Die Stadt). (Zitat Seminararbeit Wr. Neustadt?)

Kategorie 3

Kurzbeschreibung: Große Flächen über 800 m²; eingezäunt

Beispielflächen: Waldmüllerpark, Eichenstraße, Angelibad

Abb. 29: Schönbornpark

Spezialfälle: z.B.: Angelibad

Ausstattung/Charakteristik: Durch die Größe erhalten die Flächen im Gegensatz zu Kategorie 2 zusehends Parkcharakter. Lange Aufenthaltsdauer und ein Erholungserlebnis auch für die HundebesitzerInnen. „Man genießt die Natur mitten in der Stadt“, so beschreiben viele BenutzerInnen diese Standorte. Die Leute bleiben nicht selten über zwei Stunden hier und genießen die Zeit im Freien mit ihrem Vierbeiner. Gewünscht werden hier bequeme Bänke und eine gute Beleuchtung in der Nacht. Ein kleiner Park im Park scheint das Optimum für viele HundebesitzerInnen. Damit ergeben sich auch schon die ersten Probleme. Auch NichthundebesitzerInnen fühlen sich verständlicherweise an diesen Orten wohl, haben aber oft wenig Verständnis für Hunde, so die Aussage eines Befragten: „Es gibt Probleme vor allem mit Kindern und Jugendlichen, sowie mit Drogensüchtigen und Obdachlosen, die in der Nacht die Zone nutzen und dann Scherben und Spritzen zurücklassen.“ Im Waldmüllerpark ist ein Pavillon, der ein wenig Wetterschutz bietet. Ein weiterer Anziehungspunkt für alle ParkbenutzerInnen (vgl.  Kapitel HundezonenbenutzerInnen-Befragung). Eine weitere Zone dieser Kategorie, die eine besondere Attraktion bietet, ist die Hundezone beim Angelibad. Ein direkter Zugang zur Alten Donau ist im Hochsommer nicht nur für Hunde und deren BesitzerInnen eine willkommene Abkühlung, sondern wird auch von Badegästen, die keinen Platz mehr im benachbarten Angelibad finden, gerne benutzt. Wieder laut Aussage der HundehalterInnen mit geringer Rücksicht darauf, dass es sich eben um eine Hundezone handelt.

Abb. 30: Angelibad

Fazit: Der Traum vieler HundebesitzerInnen ist eine solche Zone in Ihrer Nähe zu haben. Die Hunde können mit anderen Hunden spielen, haben aber trotzdem die Möglichkeit auszuweichen. Der Zaun bietet dem Hund die Chance frei zu laufen. Der parkähnliche Charakter lädt zu langen Besuchen ein. Die Verkotung ist kein Problem, da die Fläche groß genug scheint. Problematisch ist die nicht ganz geklärte Situation zwischen Hunde- und NichthundebesitzerInnen. Erstere nehmen auch weniger günstige Lagen gerne an. So wird die Zone am Mittelgürtelbereich durch die starke Belastung der Emissionen von den zehntausenden Autos, die täglich in unmittelbarer Nähe vorbeifahren, gerne angenommen.

Kategorie 4

Kurzbeschreibung: große Fläche über 1000m²; nicht eingezäunt

Beispielflächen: Heuberggstätten

Abb. 31: Heuberggstätten



Spezialfälle: z.B.: Prater

Ausstattung/Charakteristik: Diese großen Wiesen sind Naherholungsgebiete am Stadtrand, die mit Hinweistafeln als Hundeauslaufbereiche ausgewiesen sind. Weitläufige Freiflächen oder kleine Wäldchen (z.B.: Floridsdorfer Aupark) prägen die Lanschaft. Der Pflegeaufwand ist gering. Neben BesitzerIn samt Hund nutzen auch viele andere gerne diese Gebiete. SportlerInnen kommen hierher um ihrem Hobby nachzugehen. Für freilaufende Hunde ist dies eine gute Gelegenheit ihren angeborenen Jagdtrieb auszuleben. Da solche Areale in der Stadt nur wenig vorhanden sind, ist der Andrang groß trotz Gefahren diese Fläche zu nutzen. Laut Aussage eines Hundebesitzers kommen auch manchmal Kindergartengruppen auf die Heuberggstätten. Konfliktmindernde Maßnahmen hierzu finden sich im Teil IV dieser Arbeit. Gute Gehorsamkeit des Hundes ist ein wichtiges Kriterium für den Besuch dieser Flächen, wenn man ihm ein paar Schritte ohne Leine gönnen will. Mitten in der Stadt befindet sich im Prater Wiens größte Hundefreiraum. Eine ausführliche Studie befasst sich mit ihm (vgl. Fröhlich et al 2003). Für solche Flächen fahren die BesucherInnen ebenso mit dem Auto aus anderen Bezirken, und nutzen sie für ausgedehnte Spaziergänge mit ihrem Hund.

Fazit: Diese Naherholungsgebiete stellen einen wichtigen Beitrag zur Erholung für viele StadtbewohnerInnen dar. HundebesitzerInnen die Möglichkeit zu geben, sie zu nutzen, erscheint sinnvoll, da diese meist sehr aktive und spazierfreudige Menschen sind. Eine gute Ausbildung und damit Kontrolle über den Hund sind hier besonders wichtig. Zu groß sind die Gefahren für Wild und andere Benutzer.