1ExpertInneninterviews

Ziel der Befragungen war es, Einblick in die Zuständigkeiten bei der Finanzierung, Planung, Errichtung und Reinhaltung von Hundezonen zu erlangen sowie die jeweiligen Einstellungen zur Hundehaltung in Wien zu erfragen. Hauptaugenmerk liegt auf der Bewertung der Bedeutung und Funktion von Hundezonen sowie der fachlich als notwendig erachteten Ausstattung. Es wurde mittels „qualitativem Leitfadeninterview“ gearbeitet. Zweck der Befragung waren keine quantitativen Vergleiche. Eine fehlende Aussage eines/r Experten/in in der folgenden Gegenüberstellung bedeutet nicht zwangsläufig eine gegenteilige Auffassung sondern, dass dieses Thema im Zuge des Gespräches nicht erörtert wurde oder keine eindeutige Aussage filterbar ist. In der nachstehenden Zusammenfassung der Gespräche werden die ExpertInnenmeinungen nach Themenbereichen strukturiert wiedergegeben und verglichen. Der/die Urheber/in einer Aussage wird nur in dem Fall namentlich erwähnt, sofern dies für die weitere Diskussion von Belang ist. Im Anschluss an die Aussage wird die Autorschaft durch ein Buchstabenkürzel der Institutionen mit ähnlichen Aufgabenbereichen eingeklammert angegeben. Die Anzahl der Nennungen einer Aussage wird durch die Zahlen ausgedrückt.

V – Verwaltung (Organisation, Reinigung)

VT – Verwaltung Tierschutz

P – Politik

W – Wissenschaft

M – Medien

TI - Tiertrainer, Interessensvertretung Hund

1.1Zuständigkeiten

Die Ergebnisse zur Klärung der Zuständigkeiten (P1, V2, VT1) fanden bereits im Kapitel Hundezonen Eingang und werden an dieser Stelle nicht wiederholt.

Das in Wien auftretende Problem unterschiedlicher Zuständigkeiten, wie ein Befragter der Stadtreinigung bemerkt, äußere sich beispielsweise in der Errichtung und Befüllung der Sackerlspender. Je nach Standort würden die diversen Modelle im Straßenbereich von der MA 48, in den Hundezonen der Parkanlagen von der MA 42 oder teilweise auch von der Bezirksvorstehung in Eigenregie aufgestellt und somit auch wiederaufgefüllt werden, was zu Unregelmäßigkeiten führe (P1, V1). Im Zuge der Hundekotproblematik erwähnt er weiter: “Der Hund ist halt so ein Problem, das keiner einzelnen Abteilung zugeordnet ist. Und sobald es nicht einen Zuständigen gibt, wird alles kompliziert“ (V1).

1.2Probleme durch Hundehaltung in der Stadt

Unter diesen Aspekt fallen die von den Befragten genannten generellen Schwierigkeiten sowie Konflikte mit der Bevölkerung oder Verwaltung, die durch die Haltung von Hunden in der Stadt auftreten.

Nicht nur die Bevölkerung Wiens, wie von einigen ExpertInnen erwähnt (P1, V1), erachtet die Verschmutzung durch Hundekot als gravierendstes Problem in der Stadt, auch von allen Befragten wird die Kotproblematik zumindest angesprochen, wenn auch mit unterschiedlicher Bewertung der Relevanz (M1, P1, TI2, V2, VT2, W2). „Aber die Kotproblematik ist etwas, das jeden tagtäglich irgendwo betrifft“ (V2).

Auch die Gefährdung von Menschen durch Unfälle im Zusammenhang mit Hunden vornehmlich Bisse wird von den Befragten allerdings mit abweichender Gewichtung des Problems genannt (TI1, V1, VT2, W2). Die mit dieser Thematik befasste Verwaltungsbehörde MA 60 schätzt dies in Relation mit der angenommenen Hundepopulation von 100 000 Tieren und den seltenen, bekannt gewordenen schweren Verletzungen als „nicht viel“ ein (VT1).

Des Weiteren werden Gesetzesübertritte der Wiener Hundehalter, speziell die Missachtung der Maulkorb- oder Leinengebote, sowie unzumutbare Belästigungen und Konflikte mit anderen Menschen und die daraus entstehenden Konflikte aufgezählt (P1, TI1, V1, VT2, W1). Neben Kindern werden unter anderem auch RadfahrerInnen, JoggerInnen und Erholungssuchende als Betroffene aufgezählt.

Als „großer Posten“ wird von den Expertinnen der zuständige Behörde die Anzahl von cirka 900 aufgefundenen, teils verlorenen, teils ausgesetzten Hunden pro Jahr erachtet, die zumindest einen Tag im Wiener Tierschutzhaus verbringen (VT1). Weiter befürworten sie zu Zwecken der erleichterten Rückführung die - im Bundestierschutzgesetz vorgesehene aber noch nicht verordnete - Einführung der Chipkennzeichnungspflicht in Österreich.



Kotproblematik

Obwohl nicht Hauptaugenmerk unserer Arbeit stellten wir bei der Durchführung der ExpertInnen- und HundehalterInneninterviews fest, wie bestimmend die Problematik durch Hundekot verschmutzter Freiräume in der Stadt wahrgenommen und empfunden wird. Die Verschmutzung Wiens durch Hundekot wurde nicht nur von allen Befragten als Konfliktpotential genannt (M1, P1, TI2, V2, VT2, W2), bei einigen ExpertInnen machte die Diskussion dieses Themas unweigerlich den Großteil des Interviews aus (was mitunter an der zeitgleich in den Medien präsenten Bürgerinitiative „Eltern gegen Hundekot“ gelegen haben mag). Ein Befragter zitiert den Wiener Altbürgermeister Zilk, dessen einzig ungelöstes Problem während seiner Amtsperiode der Hundekot gewesen sei (V1). Gerade für Kinder stellt der Kot eine „Gesundheitsgefährdung“ dar und ist „unappetitlich“ (V1).

Auch über die eigentliche Verantwortung der HundehalterInnen sind sich die ExpertInnen einig (M1, P1, TI1, V2, VT2, W2), wobei die „jahrzehntelang lax[e], politische Handhabung verstärkend wirkte (V1, VT1).

Als Lösungsvorschlag wird neben Bewusstseinsbildungskampagnen, „durch positive Verstärkung“ (M1, P1, TI1, V1, VT1), von manchen die konsequente Exekutierung der Strafen als wirksame Methode gesehen (V1, W2).

Die Effizienz der in Margareten aufgestellten Hundeklos mit Pissreifen, Schaufel und Mistkübel (siehe Abb. 26) und der selbstreinigenden Hundeklos wird unterschiedlich bewertet. Beurteilen manche ExpertInnen derartige Hundeklos - flächendeckend errichtet - als eine gangbare Lösung und als Beitrag „zur Entspannung der Lage“ (P1, V1, W1), kritisieren Andere die wirtschaftliche Effektivität (VT1, W1), die Annahme durch die Hundehalter (VT1, W2) oder die teilweise hundepsychologisch nicht durchdachte Umsetzung (TI1, VT1).

Der Hund kann durch Konditionierung geschult werden, wobei eine Präferenz für die Absetzung des Kotes auf Wiese oder Rindenmulch hervorgehoben wird (V1, W1). „Wir sind immer davon ausgegangen, dass ein Hund, der einmal auf eine Grünfläche trainiert ist, wird nicht auf Asphalt gehen“ (V1). So sollte in der Jugend darauf geachtet werden, dass der Hund neben Wiese für den Fall, dass diese nicht zur Verfügung steht auch das Rinnsal als Absetzplatz kennen lernt, wobei sich für den Hundehalter immer wieder die Notwendigkeit ergeben wird, den Kot wegzuräumen (VT1). Die Grenzen der Konditionierbarkeit und Sinnhaftigkeit sollten beachtet werden. So hält ein Befragter asphaltierte Absetzplätze vor Grünflächen (wie am Allerheiligenplatz) für hundeethologisch nicht nachvollziehbar und somit wenig sinnvoll (VT1). „Wir gehen davon aus, dass die Hundehalter dem Hund lernen, nicht auf den Gehsteig zu kacken. Woher soll der Hund wissen, dass das jetzt kein Gehsteig ist“ (VT1). Er gibt zu bedenken dass Kotabsatz auch ein Stresssignal sein kann.

In Deutschland bestehen, laut Befragten, „ähnliche Probleme, wie bei uns“ (V1, W1). Die HundehalterInnen in England und Frankreich sind disziplinierter, beziehungsweise sind die Parkanlagen, so der Befragte, gesperrt für Hunde (V1). Auch die Städte in Fernost und Budapest sind sauberer als Wien (W2). Schweizer sind disziplinierter, New York sind prozentuell mehr Hunde aber aufgrund konsequenter Exekutierung hoher Strafen keine „Hundehaufen auf der Straße“ (W1). In London, Paris drei mal so viele Hunde wie in Wien. „Dort klappt es auch“ (TI1).

Bisse

Die Gefährdung durch Beißunfälle mit Hunden wird von den ExpertInnen unterschiedlich bewertet (TI2, V1, VT1). Veranschlagt ein Befragter 200 Bisse pro Jahr allein im Bezirk Leopoldstadt und vermutet eine Gefährlichkeit gerade größerer Hunde (V1), beziffern die Expertinnen, der oftmals zur Beurteilung von Beißunfällen herangezogenen Behörde, einen Wert von etwa 270 Fällen im Jahr 2005 in ganz Wien. Hierbei betonen sie einerseits, dass nur die zur Kenntnis der Bundespolizeidirektion gelangten Vorfälle in der Statistik aufscheinen würden und somit eine Dunkelziffer im privaten Bereich zu vermuten sei und andererseits, dass ein Teil der gelisteten Unfälle im Zusammenhang mit Hunden „keine Bisse ... in dem Sinn“, also „leichte Zwicker“, bis hin zu Unfällen „in Zusammenhang mit einem Hund oder einem Hundehalter“ seien, wie dem Stolpern über eine Leine oder dem Beschmutzen durch einen Hund (VT1). Auch anhand der verfertigten Bissstatistik des Jahres 1999, in Relation mit der veranschlagten Hundezahl von 100 000 Tieren in Wien schätzen sie die Anzahl der Unfälle als „nicht viel“ ein (VT1). Ein Großteil der Unfälle sei bei korrekter Einhaltung des Tierhaltegesetzes vermeidbar gewesen (VT1). Eigene Statistiken, die Rassen und Unfallhergang einbeziehen, könnten leider aufgrund mangelnder Ressourcen nicht erstellt werden (VT1).

Hundeführschein

Den 2005 im Zuge der Novellierung des Wiener Tierhaltegesetzes von der Stadt Wien initiierten freiwilligen Hundeführschein befindet eine Interviewpartnerin als zu „aufwändig“ und zeitintensiv und schlägt als Erhöhung des als gering eingestuften Anreizes, der einmaligen Erlassung der Hundesteuer, vor, dass für Absolventen zusätzliche Privilegien wie eine Befreiung von der Maulkorbpflicht in Parks gewährt werden sollten (W1). Ein anderer Experte regt einen von der Stadt Wien geförderten Kurs für jede/n HundehalterIn an und rechnet mit etwa gleichen Kosten für die Stadt (TI1). Die freiwillige Absolvierung des Hundeführscheines wird von anderen als „gute Sache“ angesehen, da sich die Hundehalterinnen mit dem Hundeverhalten auseinandersetzen, was „sicher sehr viel im Umgang mit dem Hund und auch im Zusammenleben mit Menschen“ bringt (M1, VT2, W1). Die ExpertInnen der MA 60 geben beim behördlich verordneten Hundeführschein zu bedenken, dass einerseits bereits die schriftliche Prüfung den auffällig gewordenen, oftmals sozial unterprivilegierten Menschen beispielsweise aus sprachlichen Problemen, andererseits aber auch die für den Hund stressfrei zu absolvierenden praktischen Testsituationen schwer fallen könnten und die Konsequenz der Hundeabnahme sehr schwerwiegend und daher vorsichtig einzusetzen sei (VT1).

1.3Stellenwert des Hundes

Auf die Frage nach dem Stellenwert des Hundes und der Einstellung zur Hundehaltung im urbanen Raum wird diese mit einer Ausnahme (V1) durchgängig als positiv bis hin zu förderungswürdig erachtet (M1, P1, TI1, VT2, W2). „...[V]on unserem Umfeld ist es sicher so, dass eben der Hund in der Stadt prinzipiell bejaht wird“ (VT2), wobei auf eine artgerechte Haltung zu achten ist. Auch von den anderen Befragten wird die Hundehaltung trotz kritischer Überlegungen durchgängig befürwortet. So wie eine Interviewpartnerin meint, dass die positiven Aspekte trotz Konflikten überwiegen (W1), wird von weiteren die Wichtigkeit der Sicherheit der Menschen betont und dass die Lebensqualität der Nichthundehalter nicht beeinträchtigt werden sollte (TI1, VT1, W1).

Der zuständige Experte des Stadtgartenamtes beurteilt, die wenige Fälle ausnehmend, bei denen ein sozialer Aspekt zu tragen käme, wobei allerdings kleine Hunde genügen würden, dies anders: „An sich weiß jeder Hundebesitzer, ein Hund in der Stadt muss nicht sein. Ein Hund muss nicht sein. … Kinder braucht die Gesellschaft. Hunde braucht die Gesellschaft nicht“ (V1).

Ein Interviewpartner betont drei große Aspekte die für das konfliktfreie Zusammenleben von Mensch und Tier in der Großstadt von Bedeutung sind (VT1). Dazu zählen eine tiergerechte Haltung, die gesetzeskonforme Haltung, die „Einschränkungen im natürlichen Verhalten des Hundes ... zum Schutz des Menschen“ beinhaltet und „dass sie doch Plätze finden, wo sie ihr Verhalten ausleben können“ (VT1).

Positive Aspekte der Hundehaltung

Besonders soziale Effekte der Hundehaltung werden positiv hervorgehoben. Gerade das im urbanen Raum feststellbare Phänomen der Vereinsamung vornehmlich älterer Menschen könne durch Hundehaltung gelindert werden. So fungiere der Hund nachweislich als sozialer Kontaktknüpfer (P1, V1, VT2, W1), aber sei mitunter auch letzter Ansprechpartner (TI1, VT2, W2). „Wenn sie mit dem Hund spazieren gehen, diese Menschen, dass sie dann eben eher zu Kontakten mit anderen Hundebesitzern kommen, die sie sonst wahrscheinlich nicht hätten“ (VT1).

Günstig wirke sich laut Studien die Haltung eines Hundes auch auf die Gesundheit des/r BesitzerIn aus. Ein geregelter Tagesablauf, gesteigerte Motivation zu regelmäßiger, körperlicher Bewegung aufgrund der Bedürfnisse des Tieres und die Stärkung des Herz-Kreislaufsystems sind von den Befragten angeführte Vorteile für die menschliche Gesundheit (TI1, VT1, W2). Die im Umgang mit Tieren geringere Scheu vor Körperkontakt wird, so ein Befragter, erfolgreich zur Therapie in Krankenhäusern, beispielsweise zur Besserung von Depressionen und kognitiver Fähigkeiten von Alzheimerpatienten, genutzt (W1). Derselbe führt auch die Fähigkeit von Hunden an Diabetes, Krebs oder epileptische Anfälle frühzeitig zu erkennen. Eine weitere Befragte schildert die stressabbauende Wirkung von Hunden anhand eigener Erfahrung (W1).

Mehrere ExpertInnen erwähnen Untersuchungen, die die positiven Auswirkungen eines Hundes auf die emotionale Entwicklung von Kindern belegen. So meint eine Interviewpartnerin, dass „Kinder, die mit einem Haustier aufwachsen, wesentlich besser lernen, leichter lernen, besser aufpassen können“ (TI1, W1).

Eine Interviewpartnerin weist auf die, in „Faktor Hund“ nachlesbaren, wirtschaftlichen Effekte der Hundehaltung hin (W1).

Nicht vergessen dürfen die vielfältigen Einsatzgebiete der Tier zum Wohle des Menschen werden, beispielsweise als Rettungs-, Lawinensuch-, Service- aber auch Jagdhunde (M1, TI1).

Artgerechtigkeit in der Stadt

Grundsätzlich ist laut Einschätzung von sechs ExpertInnen eine art- und tiergerechte Hundehaltung in der Stadt ebenso wie auf dem Land möglich (M1, TI1, VT2, W1). Drei Befragte betonen in diesem Zusammenhang, dass nicht ein großer Garten und das räumliche Umfeld sondern ausreichende geistige wie körperliche Beschäftigung mit dem Tier, Kontakt zu anderen Artgenossen und neue Reize ausschlaggebend für das Wohlbefinden und eine artgerechte Haltung seien (TI1, VT2). Zu einer artgerechten Haltung gehört für das Rudeltier Hund der Kontakt zu Artgenossen (W2).

Möglich ist es sicher“, wird in einem Interview auf die Frage nach einer art- und tiergerechten Haltung in der Stadt bekräftigt. „...Und es hängt nicht mit der Stadt zusammen glaube ich, sondern mit dem Lebensrhythmus...Aber in punkto Beschäftigung würde ich überhaupt keinen Unterschied zwischen Stadt und Land sehen. Und wenn eben einerseits wenn der Besitzer genug Zeit und Interesse hat, hat er halt in der Stadt sicher genug Möglichkeiten dem Hund eine tiergerechte Haltung zu bieten“ (VT1).

Man müsse aber auf die Rassebesonderheiten eingehen (VT1, W1). Als Beispiel nicht artgerechter Haltung wird von den Befragten vornehmlich die Haltung von Laufhunderassen, wie Huskys in den innerstädtischen Bezirken, genannt und vermutet, dass diesen nicht ausreichend Auslaufmöglichkeit geboten wird (M1, W1). Aber auch die bei körperlicher Betätigung für den Wärmeaustausch zu hohen Temperaturen im Sommer werden speziell bei dieser Hunderasse genannt (W1). Bei einem Interview wird der mit einer artgerechten Hundehaltung mitunter schwer vereinbare Lebensrhythmus, der Zeitmangel der Stadtmenschen, zu Bedenken gegeben (VT1). Eine andere Befragte bezweifelt, dass viele Hunde in der Stadt gut gehalten werden (M1).

Beschäftigung, in Form von Auslauf, ist nach einem Experten in der Innenstadt im Gegensatz zum Stadtrandbereich aufgrund der wenigen Freiflächen nur schwer möglich (TI1).

Die Gefahr einer Überforderung durch Reizüberflutung in der Stadt ist nicht zu befürchten, da Hunde wie Menschen diese filtern können (W1).

Haltungsprobleme für Hunde

Hier werden Aussagen zu nicht tiergerechter Hundehaltung in der Stadt zusammengefasst.

Häufigste Nennung ist der unzureichende Auslauf vieler Stadthunde (TI1, VT1, W1). „Ich meine das ist sehr oft, dass sie zu selten raus gehen und zu viel alleine sind“ (VT1).

Unzureichend Grünflächen aufgrund dichter Verbauung stellen ein Problem für eine tiergerechte Haltung dar (TI1, W2).

In diesem Zusammenhang werden auch „Zeitmangel“, ungenügende Beschäftigung mit dem Tier und fehlende Kenntnis der tierischen Bedürfnisse und des Hundeverhaltens erwähnt, was wie bereits geschildert, unzureichende Artgerechtigkeit in der Haltung bedeute (VT2, W1). So werde er immer wieder mit den „wüstesten Vorstellungen“ konfrontiert. „Manche glauben man kann den Hund acht Stunden alleine lassen“ (W1). Die mit Tierschutzfällen betraute Behörde gibt an, dass Hunde sehr häufig „sehr viel alleine“ sind und erwähnt damit verbundene psychische Probleme, wie Trennungsängste. Dieser Stress kann für das Tier „in Richtung Gesundheitsstörung gehen“ (VT1).

Eine Überforderung der Anpassungsleistung wird im Tierschutzgesetz definiert. Die zuständige Behörde wird von der Polizei oder über die Tierschutzhotline auf Tierschutzfälle aufmerksam gemacht und kontrolliert die Hundehaltung. Gesundheitliche Störungen, Unterernährung, sind selten, eher kommt oft vor, dass das Verständnis für das Wesen „Hund“ und seine Bedürfnisse und Verhaltensweisen fehlt (VT1). Eine Überforderung der Anpassungsleistung besteht bereits wenn ein „...Hund nur ein mal am Tag, bis zwei mal am Tag gepflegt Gassi gehen“ kann (VT1).

Vermenschlichung nennen zwei Experten als Problem (TI1). Hierbei würden Tiere als Ersatz für Partner oder Kinder missbraucht. Als Negativbeispiel wird Rudolf Mooshammer mit seinem Schoßhund Daisy angegeben (TI1).

Zu wenig Sozialkontakt der Hunde untereinander im urbanen Bereich (W1).

Wenige werden gut gehalten, vermutet eine Befragte (M1).

Bedürfnisse des Hundes

Im Zuge der Gespräche aufgezählt Bedürfnisse der Hunde nach ExpertInnenmeinung werden hier wiedergegeben.

Körperliche Notwendigkeiten wie mehrmals täglich „Gassi gehen“ (VT2, W1) und Markierbedürfnis müssen ausgelebt werden können (VT1). Darüber hinaus besteht die Notwendigkeit den Hunden freien Auslauf zu gewähren (VT2, W2).

Zu den Bedürfnissen des Hundes zählt weiter der Kontakt zu anderen Artgenossen, die Sozialisation (M1, TI2, VT2, W1). Der Hund ist ein Rudeltier (M1, TI1, VT1, W1).

Geistige und körperliche Beschäftigung sind für eine tiergerechte Haltung unerlässlich (M1, VT2), Dem Lauf- und Nasentier Hund muss zeitweise „freie Wahl“ beim Schnüffeln ohne Einengung durch die Leine geboten werden. Aber auch „regelmäßige Abwechslung“ in Form von Spaziergängen ist für diese intelligenten Wesen essentiell, gleichgültig ob sie in der Stadt oder auf dem Land gehalten werden (VT2). Sportarten wie Agility oder Fährtensuche eignen sich zur Beschäftigung der Tiere (M1, VT1).

Es wird geäußert, dass der Tagesablauf der Hunde durch Aktivitätsspitzengekennzeichnet ist, woraufhin sie aber lange Ruhephasen benötigen, was dem menschlichen Lebensrhythmus entgegenkommt (VT2).

Ein Experte führt an, dass das Meutetier Hund für eine artgerechte Haltung eine Rangordnung braucht. Er zählt die Triebe des Hundes als nahen Verwandte des Wolfes auf: Wehr-, Meute-, Beute-, Sexual-, Arterhaltungs-, Selbsterhaltungs-, Fress-, Spieltrieb (TI1).

Hunde sind domestizierte Tiere. Sie sind verwandt mit dem Wolf aber leben in Gemeinschaft mit dem Menschen (M1, VT1). Auch eine Sozialisierung, regelmäßiger Sozialkontakt mit dem Menschen, ist ein Bedürfnis des Hundes (VT1).

Großer/kleiner Hund

Da in der von Clemens Purtscher verfassten Studie die Empfehlung zu kleinen Hunden in der Stadt abgegeben wird, befragten wir die ExpertInnen zu ihrer Meinung.

Während sich ein Befragter konkret für kleine Hunde ausspricht: „...da genügen aber kleine Hunde. Große Hunde müssen in der Stadt nicht sein. Das kann mir niemand erzählen, dass ein großer Hund in der Stadt eine Notwendigkeit ist“ (V1), plädiert ein Anderer für kleine Hunde mit dem Hinweis auf die geringeren Mengen an Exkrementen und den geringeren Platzbedarf (W1). In weiterer Folge betonen er und weitere Experten allerdings, dass das Auslaufbedürfnis rassebedingt unabhängig von der Größe variiere (TI1, VT2, W1). Ein kleiner Hund könne allerdings einen Teil seines Bewegungsbedürfnisses in der Wohnung ausleben (W1). Ein anderer Experte empfindet einen Trend zu kleineren Hunden in der Stadt, nimmt aber an, dass kleine gleich viel Zeitaufwand wie große Hunde benötigen (TI1). Diese Meinung wird von drei weiteren Befragten bestätigt (M1, VT2). Sowohl große als auch kleine Hunde sind in der Stadt artgerecht zu halten. „Natürlich mit einem Windhund werde ich kilometermäßig mehr rennen müssen, na aber ein Chihuahua wird genauso seine zwei Stunden draußen sein müssen“ (VT1).

Auslauf

Das Auslaufbedürfnis hängt weniger von der Größe als von der Rasse des Tieres ab (TI1, VT1, W1). Während beispielsweise Tiere vom großen, ruhigen Molossertyp, wie Rottweiler oder Berner Sennenhund, weniger aktiv sind, benötige ein Terrier viel Beschäftigung, wobei der Zeitaufwand gleiches Ausmaß hätte (M1, VT1). Die Tiere benötigen abhängig von Temperament oder Verwendungszweck ein entsprechend großes Areal zum Auslaufen (VT2). In diesem Zusammenhang werden extreme Laufhunderassen wie Afghanen, Windhunde und Huskys angeführt (M1, VT2, W1) und von einem Interviewpartner eine Stadtrandlage bei der Haltung als günstiger angesehen (TI1). Das mehrmals tägliche „Gassi gehen“ sei nur eine körperliche Notwendigkeit, zusätzlicher Auslauf sei essentiell, weist eine Befragte auf diese Unterscheidung hin (W1).

Auch in diesem Zusammenhang wird betont, dass ein großer Garten nicht als Auslauf zu sehen sei, die Beschäftigung mit dem Tier sei bedeutsam (TI1, VT2). Als „ausreichend“ wird von den Befragten die Anlage der Tierhalteverordnung herangezogen (VT1). Diese besagt, dass den Tieren mindestens einmal täglich ihrem Bewegungsbedürfnis entsprechend, ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden muss (siehe Hund und Recht). Ein Befragter gibt zwei bis drei Stunden pro Tag an (TI1). Zusätzlich befindet ein Experte drei Einheiten á zehn Minuten intensiver Beschäftigung neben dem normalen Auslauf als ausreichend (W1).

Hundesprache, calming signals

Für eine artgerechte Hundehaltung und die richtige Reaktion auf das Verhalten der Caniden sei, laut Befragten, die Kenntnis der hundlichen Kommunikation wichtig (M1, VT2, W1). Drei ExpertInnen erwähnen explizit die „calming signals“, die Beschwichtigungssignale der Hunde, die vom Menschen oftmals nicht verstanden und somit nicht berücksichtigt werden (M1, VT1, W1).

Dieses Wissen dient nicht nur der Kommunikation zwischen den Hunden sondern kann auch zur zwischenartlichen Verständigung vom Menschen gezielt eingesetzt werden. So wirke ein Unterbrechen des als drohend empfundenen Blickkontaktes stressmindernd und konfliktvermeidend (VT1, W1). Hunde besänftigen indem sie den Kopf abwenden, einen Bogen gehen oder langsam werden, um den anderen die eigene „Harmlosigkeit“ zu versichern. Wird den Tieren beispielsweise durch das Halten an der kurzen Leine beim Passieren eines Artgenossen die Möglichkeit zu kommunizieren genommen, sei ein Konflikt mitunter vorprogrammiert (VT1, W1). Hingegen könne eine Strukturierung in der Hundezone den Tieren Ausweichmöglichkeiten bieten (M1, VT2, W2).

Weitere beruhigende Signale wie das Lecken über den Fang oder der Kotabsatz werden genannt (VT1).

1.4Hundezonen

Unter diesem Aspekt werden konkrete Themen zu Sinnhaftigkeit, Bedeutung und Vorteilen von Hundezonen für Bevölkerung, Hundehalter und Hunde geklärt.

Aufgabe, Bedeutung der Hundezone

Gerade die unter den Problemen durch die Hundehaltung in der Stadt genannte Gefährdung der Sicherheit aber auch die potentielle Belästigung von Mitmenschen, wie Kindern, LäuferInnen, RadfahrerInnen oder anderen Erholungssuchenden wird, laut Befragten, durch die Errichtung von Hundzonen positiv beeinflusst (TI1, V1, VT1, W1). Ein Befragter erachtet die Hundezone als Service der Stadt für die Nicht-Hundehalter (V1). Andere ExpertInnen befürworten die Einrichtung von Hundezonen in Wien für ein konfliktfreies und sichereres Zusammenleben mit dem Mensch (TI1, VT1, W1). Gerade die Trennung von Hundebereichen und Kinderspielplätzen wird mehrmals als wichtig für die Sicherheit und Sauberkeit hervorgehoben (TI1, V1, W1).

Eine Befragte weist auf die ökologische Bedeutung von Hundezonen für den Schutz des Wildbestandes in den hundefreien Bereichen beispielsweise des Praters hin und betont die Bedeutsamkeit der Einhaltung dieser Grenzen (W1).

Die in Wien angewandte Lösung nämlich eigens Hundezonen für die Tiere einzurichten, wird durchgängig als gut angesehen (V1, VT2, W2).

Qualität für Hunde und Besitzer

Auf die Frage, ob die Hundezone auch als Service für die HundehalterInnen gesehen wird, entgegnet der Experte der MA 42: „Service in dem Sinn?! Also ich glaube die Stadt Wien braucht sich nicht verstecken, was sie in diese Richtung anbietet. Es gibt jede Menge riesige Hundezonen zum Teil, was aber eher nicht aus dem Verlangen den Hundebesitzern ein Service anzubieten sondern eher den Nichthundebesitzern ein Service anzubieten, dass sie hundefreie Bereiche haben. Man muss es eher umgekehrt sehen. Sicher nicht, weil die Stadt Hunde fördern möchte und Hunde so gern hat in der Stadt, sondern eher aus der Problematik heraus“ (V1). Hundezonen wurden aufgrund der Verschmutzung der Freiflächen durch Exkremente und zur Trennung von Hunden und Kindern im Zuge einer Strukturierung der Parks errichtet (V1).

Ein anderer Befragter sieht die Hundezone als erforderlich an für eine artgerechte Haltung aber auch für die Sicherheit im Zusammenleben mit dem Menschen. Falls man die Hundehaltung in der Stadt grundsätzlich erlaube, müsse dem Hund „nicht nur aus Tierschutzinteresse sondern auch im Interesse einer besseren oder größeren Sicherheit zwischen Mensch und Tier“ die Möglichkeit seine Verhaltensweisen auszuleben gegeben werden (VT1). Die Chance ohne Leine und Maulkorb freien Auslauf zu genießen, sei notwendig, da ein ständiger Leinenzwang, so ein Experte, zu Stress, Frustration und Aggression beim Tier führe (W1). Erster fügt hinzu: „Je mehr ich ihn daran hindere seine Verhaltensweisen auszuleben, desto mehr kommt er in Stress, und desto mehr er im Stress ist, desto geringer ist die Aggressionstoleranz und auf einmal kann etwas passieren“ (VT1).

Die große Bedeutung von Hundezonen wird von mehreren ExpertInnen hervorgehoben, besonders in den dicht verbauten Bereichen der Stadt innerhalb des Gürtels (TI2, W2).

Neben der Chance das Explorationsverhalten ausleben zu können und in Kontakt mit neuen Reizen zu kommen, wird vor allem der Sozialkontakt und das Spiel mit anderen Hunden als wichtig erachtet (TI1, VT2, W2). Aber auch der Kontakt zu anderen Menschen wird dargetan (VT1, W1). Aus diesen Gründen gibt es, so ein Befragter, Hundezonen und nicht „dass der Hund seinen gesamten Bewegungsdrang dort auslebt“ (VT1).

Nichtsdestoweniger profitieren die menschlichen NutzerInnen ebenfalls von der Einrichtung von Hundezonen. So pointiert ein Interviewpartner: „Hundezonen ersetzen teilweise die Bassenen von früher“ (VT1), da Hunde die Menschen zusammenbrächten (VT2, W1).

Hält ein Interviewpartner Hundezonen am Stadtrand für weniger sinnvoll, begrüßt er diese in Badebereichen, um eine Gelegenheit zu bieten mit dem Tier schwimmen zu gehen (TI1).

Die Hundezone biete den BesitzerInnen von Hunden die Möglichkeit diese legal ohne Maulkorb und Leine laufen lassen zu können, ohne mit NichthundehalterInnen wie RadfahrerInnen in Konflikt zu geraten (VT1, W2). Auch die Gelegenheit Kot und Harn abzusetzen wird erwähnt (TI1, V1).

Hundezone = Hundeklo

Die Hundezone wird von zwei Befragten als Absetzplatz von Kot und Urin gesehen (P1, V1), um die restliche Stadt sauber zu halten. Die Mehrheit der ExpertInnen spricht sich gegen eine Nutzung der Hundezone als Hundetoilette aus (TI2, VT1, W2). „Hundezone soll halt nicht mit Hundeklo verwechselt werden...“ (VT1). So spricht sich ein Interviewpartner aus hygienischen Gründen für eine Entleerung aus, bevor der Hund die Hundezone aufsucht (W1). Wiens Tierschutzombudsmann vermutet, dass die ursprüngliche Intention war, „dass man die Hunde dort hinbekommt wegen dem Hundekot, nur ist das unserer Meinung nach der vollkommen falsche Ansatz und wirklich nicht die Intention“ (VT1). Er hinterfragt die derzeitige gesetzliche Regelung und befürchtet, dass Hundezonen teilweise noch heute als Toilette angesehen werden (VT1). Dies ist nicht Sinn und Zweck der Hundezonen (TI2, VT1, W2). „Für mich ist, dass mein Hund rennen und spielen kann, aber nicht, dass mein Hund dort Gassi geht“ (TI1).

Probleme in der Hundezone

Die starke Verunreinigung der Hundezonen durch Kot wird häufig im Zuge der Interviews diskutiert (V2, VT2, W2). Die Belästigung durch den Gestank und die schlechte Reinigbarkeit für das beauftragte Personal des Stadtgartenamtes wird von einem Befragten bemängelt (V1). Andere befinden die mangelhafte Sauberkeit in den Hundezonen als unhygienisch und erwähnen die Ansteckungsgefahr für Hunde, die aber auch auf der Straße bestünde (VT1, W1). Würde die Hundezone als Hundeklo missverstanden, würden viele Menschen diese mit ihren Tieren nicht mehr aufsuchen (TI1, VT2). Eine Überforderung aus hundepsychologischer Sicht durch die Verkotung der Zonen sei, so die FachexpertInnen, nicht zu befürchten (VT1, W1).

Besonders bei einer fehlenden Einzäunung der Hundebereiche, erläutern zwei Fachmänner, komme es zu Konflikten mit anderen NutzerInnen der Parks, namentlich Kindern, RadfahrerInnen und JoggerInnen (VT1, W1). So gibt es etliche Zonen in denen ein Fahrradweg vorbeiführt, was vorhersehbare Zusammenstöße zur Folge hat (M1, VT1). Ein Zaun könne aber auch Verkehrsunfälle mit freilaufenden Hunden verhindern.

Die geringe Größe vor allem innerstädtischer Hundezonen wird mehrmals beanstandet (VT1, W1). Ein Interviewpartner erklärt, dass die fehlende Distanz zu Konflikten der Hunde untereinander führt (W1).

Streitigkeiten und Raufereien der Hunde untereinander beschreiben auch andere ExpertInnen (TI2, W1). Dies liegt vor allem an unsozialisierten Hunden (TI2). Eine Grunderziehung und –gehorsam der Hunde sei notwendig, befindet ein Befragter (TI1). Dennoch „zahle immer einer drauf“, was sich auf die Rudelhierarchie dieser Tiere bezieht (TI1). Bisweilen sind auch Menschen gefährdet, wenn sie versuchen kämpfende Hunde zu trennen (W1).

Ein Experte, der mit den Problemen und Konflikten in Hundezonen vertraut ist, erwähnt, dass die sich infolge zu seltenen Mähens ausbreitende Mäusegerste zu empfindlichen Verletzungen der Pfoten führt und Hundezonen mitunter monatelang unbenutzbar macht (VT1).

Die Ignoranz mancher HundehalterInnen sich an die bestehenden Gesetze zu halten, wie das Leinen- oder Maulkorbgebot außerhalb der Hundezone, wird als problematisch angesehen (P1, V1, W1).

Ein Befragter spricht die Angst vieler HundehalterInnen vor ausgelegtem Gift in der Hundezone an (VT1).

Kinder und Hunde

Der Schutz der Kinder ist durch eine Trennung sinnvoll (TI2, VT1, W1). Falls ein Kind in die Hundezone kommt, ist der/die HalterIn verantwortlich und sollte seinen/ihren Hund an die Leine nehmen bis dieses den Bereich verlassen hat. Gerade weglaufende Kinder fallen in das Beuteschema der Tiere (M1, W1).

Wie die InterviewpartnerInnen bemerken, kann nicht von vornherein von einem kinderlieben Verhalten eines Hundes ausgegangen werden, sondern muss auch dieses erlernt werden (M1, TI1). Aber auch den Kindern sollte der richtige Umgang mit den Tieren gelernt werden (W1).

Lösungsmöglichkeiten Hundekot und Hundezonen

Hier werden die in dem Interview mit dem zuständigen Beamten des Stadtgartenamtes beschriebenen Pilotversuche von leicht bis selbstreinigenden Hundezonen und deren Probleme zusammengefasst.

Der erste Pilotversuch beinhaltete ein automatisiertes Anstauverfahren. Als problematisch erwies sich, so der Befragte, dass sich der Kot bei Ablassen des Wassers nicht vom Untergrund löste (V1). Als positiver Nebeneffekt erwiesen sich die geruchliche Verbesserung und die Erholung des Rasens. Der Hundekot wird nun durch das Reinigungspersonal mit einem aufrollbaren Wasserschlauch in den Kanal gespritzt. Die nächste Variante stellt eine Hundezone mit Sprühdüsen und einer Betonrinne, die im Kanal mündet, dar. Auch hier wurde ein Schlauch nachgerüstet, um die Sauberkeit zu gewährleisten. Am Allerheiligenplatz (vgl. Abb. 32) wurde versucht mit Piktogrammen versehene, asphaltierte Bereiche vor den beiden getrennten Hundezonen einzurichten, die allerdings nicht angenommen werden (V1, VT1). In einem anderen Gespräch wird dazu bemerkt: „Der Allerheiligenplatz ist mit irrsinnig viel Aufwand gemacht, meiner Meinung nach technisch falsch...das ist ein Aufwand. Das ist sinnlos. Wenn man einen Kotsackerlautomaten hinhängt, einen Spender und einen Mistkübel minimiert die Kosten und ich habe den gleichen Effekt“ (VT1).



Abb. 32: Hinweistafel Allerheiligenpark

Letztendlich versuchte man probeweise für auf Asphalt konditionierte Hunde halbe Parkplatz große Bereiche mit Kanalanschluss als Hundekotabsetzplatz auszuweisen. Diese sind leicht mit Reinigunsfahrzeugen zu säubern. „Es steht und fällt einfach mit dem Willen der Bevölkerung oder der Hundebesitzer“ (V1). Beim „luxuriös[en]“ Pilotversuch am Brigittaplatz (siehe Abb. 27) wurde eine Asphaltfläche als Absetzplatz vorgesehen. „Das nutzen sie nahezu nicht, obwohl da auf der Seite haben wir Düsen, die das Ganze zusammenspülen, also technisch würde es funktionieren“ (V1). Um den Hunden Zugang zu den Grünflächen des Kirchenplatzes zu verschaffen, wurde wiederholt der Zaun aufgeschnitten (VT1).

Um dem Problem der durch Hundekot verschmutzten Freiflächen im Mortara Park zu begegnen, wurden bei der Neugestaltung in den Eingangsbereichen Gitter in den Boden eingelassen [und der gesamte Park hoch eingezäunt, der Verf., vgl. Abb. 32]. „Aber es ist tragisch genug, dass man mit so massiven und kostenintensiven Dingen arbeiten muss ...“ (V1). Die einfachste Variante wäre, laut Befragtem, wenn die HundehalterInnen selbst den Kot entfernen und entsorgen. Alternativ kann der Hundehalter dem Hund lernen „dass er dorthin macht, wo es vorgesehen ist“ (V1). Eine Befragte erachtet diese selbstreinigenden Hundezonen als zu „kostenintensiv“ (W1).

Abb. 33: Mortaraplatz





1.5Ausstattung, Größe, Organisation von Hundezonen

Größe

Drei Befragte bekannten dass auch kleine Zonen besser sind als ständig an der Leine zu gehen beziehungsweise „die kleinste Hundezone ist besser als gar keine Hundezone“ (TI1, VT2). Großflächige Auslaufzonen sind jedoch zu bevorzugen, da sie strukturierbarer sind (VT1, W1) und somit Konflikte leichter vermieden werden können (W2). Andere weisen dezidiert auf die Bedeutung der Größe in Zusammenhang mit der Anzahl der Hunde hin (TI1). Ein weiterer meint dazu: „Je größer desto besser“ (TI1). Als Mindestgröße werden von zwei Experten 500 bzw. 600 m² angegeben (TI1, W1).

Kleine Hundezonen

Hundezonen unter 100 m², so ein Befragter, sind als Auslaufzonen ungeeignet und dienen somit nur als Hundeklo (TI1, W1). Diese für Mensch und Tier unhygienischen Orte seien nur „hinausgeschmissenes Geld“ (W1) oder wie ein anderer Experte vermutet ein „Ventil für die Öffentlichkeit“ (TI1). Es kommt aufgrund der fehlenden Ausweichmöglichkeiten vermehrt zu aggressiven Auseinandersetzungen (W2). Ein Interviewter vergleicht dies mit der Schweinehaltung. Man fand heraus, dass zur Ausführung der Demutsgebärde bei Schweinen eine gewisse Mindestdistanz notwendig ist. Kann diese nicht eingehalten werden, kommt es unausweichlich zu Stress und Konflikten (W1). Des Weiteren sind die Möglichkeiten der Beschäftigung stark limitiert (W1).

Allerdings befinden drei Befragte, dass auch die kleinste den Hunden gewidmete Zone noch besser sei als gar keine und somit ständiger „Auslauf“ an der Leine (TI1, VT2). „Also ich würde sagen es ist sicherlich noch besser wenn er in eine kleine Hundezone geht, als er führt den Hund nur an der Leine spazieren. Weil in der Hundezone hat der Hund die Möglichkeit einerseits mit anderen Hunden Kontakt zu pflegen, sich doch ohne Leine selbständig zu bewegen und vor allem ... Eindrücke zu sammeln“ (VT1).

Große Hundezonen

Gerade zur Konfliktvermeidung wird die Bedeutung der Größe einer Hundezone betont (W2). Weiters sind große Bereiche besser strukturierbar und bieten mehr Möglichkeiten zur Interaktion mit anderen Hunden (VT1, W1). Ein Befragter befindet Hundezonen (für zwei bis drei Hunde) erst ab einer Größe von 600 m² als sinnvoll, wobei auch auf die Form zu achten sei (TI1). „Ich will nicht eingehen auf eine Mindestgröße, weil entscheidend ist wie viele Hunde zu dem Zeitpunkt laufen“ (TI1). Ein anderer gibt etwa 500 m² als unterste Grenze an (W1).

Mindestausstattung und empfohlene Ausstattung

Der Zuständige des Stadtgartenamtes (V1) beantwortet die Frage nach den Zuständigkeiten bei der Planung und Organisation einer Hundezone dermaßen: „Ja das ist zum Teil im eigenen Bereich, zum Teil im Gartenbezirksbereich, weil da reicht ein Zaun, eine Türe einsetzt, eine Tafel hingibt und sagt das ist es. Weil Wasser ist in den neueren Anlagen schon drinnen. Bewässerung und so. Das passt.“ Ein anderer Befragter meint hingegen: „Nur eine kleine Wiese nehmen, einen Pfahl in die Mitte rammen, draufschreiben `Hundezone´ ist ein bisschen wenig. Ein Mindestmaß an Infrastruktur braucht man, nicht zuletzt für die Sicherheit von Hund und Mensch.“ (VT1). Neben dem Zaun (TI1, V1, W2) sind (wie in der Grünanlagenverordnung vorgeschrieben) besonders zwei selbstschließende Türen die „Minimalst - Forderungen“ (VT1). Sieht ein Befragter gerade in der Wasserversorgung Einsparungspotential (VT1), werden von Anderen Trinkmöglichkeiten (M1, TI2, VT1, W2) oder Vorrichtungen zur Bewässerung und Reinigung (V1) gefordert.

Größe für ausreichend Auslaufmöglichkeiten (TI1, W2), viel Wiese (VT1), Strukturierung (M1, VT2, W2), Verstecke, Sichtschutz (VT1, W2), Schatten (W1), befestigte Wege (TI1, VT1), (robuste) Bepflanzung (W2), Sitzgelegenheiten, Beleuchtung (M1), Mistkübel und Sackerlspender (VT1) sowie Kanalanschluss (V1) werden als für eine Annahme durch die HundehalterInnen notwendige beziehungsweise wünschenswerte Ausstattung einer Hundezone aufgezählt.

Zaun

Eine vollständige Einzäunung der Hundezonen wird einhellig von den Experten begrüßt (M1, TI2, V1, VT1, W2). Die Notwendigkeit eines Zaunes wird einerseits mit der Bedeutung für die Sicherheit des Menschen (M1, TI1, VT1) aber auch der Tiere (TI1, VT1, W1) begründet. In einer eingezäunten Hundezone könne man beruhigter sein und lasse seinen Hund eher frei laufen (TI1, W1).

Gerade die Trennung zu Kinderspielbereichen ist besonders wichtig (TI2, VT1, W1). Die Kenntlichmachung „klarer Grenzen“ für „Hundehalter, für Nichthundehalter aber es klingt jetzt ein bisschen überspitzt ... auch für den Hund“ wirkt konfliktmindernd und ist daneben rechtlich bedeutsam (VT1, W1). Der Prater als bekannte große Auslaufzone sollte, so ein Befragter, zumindest in den Konfliktbereichen nahe der Straße durch einen Zaun geschützt werden (VT1).

Grundsätzlich erkennen Hunde einen Zaun als Grenze (TI1, VT1). Dennoch seien gerade für größere Hunde diese „kein unüberwindliches Hindernis“ (TI2, VT1, W1). Dies ist jedoch, so ein Experte, wenn sie sich wohl fühlen kein Problem (TI1). In Hinblick auf die Hochsprungqualitäten mancher Hunde - der beste Schäferhund überwand laut Befragtem eine vier Meter hohe Holzwand (W1) – und auf optische Ansprechung (TI1, V1), veranschlagen die Experten Zaunhöhen von einem (TI1), über 1,4 (V1) bis hin zu über eineinhalb (W1) Meter Höhe.

Zwei Befragte erwähnen die hohen Kosten, die mit der Errichtung einer Einzäunung verbunden sind (TI1, VT1).

Trennung

Die Untergliederung einer Hundezone in getrennt begehbare Bereiche wird, so die Befragten, von den Leuten gefordert und sei bewährt (V1, VT1). Wo möglich sollte eine Trennung in Form eines eingezogenen Zaunes eingerichtet werden. „Sinnigerweise dann aber ohne Türen bitte“ (VT1). Die Benützung spiele sich dann im Laufe der Zeit ein (VT1). Die Forderung nach getrennten Auslaufbereichen sei nachvollziehbar, bemerkt ein Interviewpartner, mit dem Hinweis auf die Verletzungsgefahr durch größere Hunde (W1). Ein anderer Experte bestätigt dies und erwähnt eine ähnliche Praxis bei der Einteilung von Welpenspielgruppen, bezweifelt allerdings die Sinnhaftigkeit dieser Trennung in Hundezonen: „…weil dann weiß er [der Hundehalter, der Verf.] nicht, was sein Hund für Bedürfnisse hat ... man sollte ihn nicht Vermenschlichen...… Man muss auch dem Dackel die Möglichkeit geben, dass er einmal einen Größeren kennen lernt“ (TI1). Nicht sozialisierte, bissige Hunde hätten in der Hundezone nichts verloren oder sollten mit Beißkorb versehen sein. Die Problematik liegt hier, so derselbe, bei den Hundebesitzern und kann „mit der Hundezone nicht geregelt werden“ (TI1).

Abb. 34: Allerheiligenpark

Ein anderer Experte befindet dies abhängig von den örtlichen Gegebenheiten als gute Idee mit dem Hinweis, dass nicht jeder Hund mit jedem auskommt. Wie die Menschen empfänden auch Hunde Animositäten untereinander (TI1). Dies bestätigt ein Befragter, der darauf hinweist, dass Hundezonen mitunter aufgrund der Nutzung durch große Hunde oder eine bestimmte Klientel, von anderen HundezonenbenutzerInnen gemieden werden (VT1).

Türen

Ein Experte führt die Bedeutung der Errichtung mindestens zweier selbstschließender Türen an (VT1). Zwei sind notwendig, um die Zone bei Eintreten eines anderen Hundes, ohne an diesem vorbeigehen zu müssen, sicher verlassen zu können. Sind die Türen nicht selbstschließend, „nützt der ganze Zaun nichts, wenn die Türen ... offen stehen“ (VT1). Diese sollten möglichst nach innen aufgehen, um nicht von den Hunden aufgedrückt werden zu können.

Wiese

[S]o viel wie möglich an Wiese“ sei anstrebenswert (VT1). Ein Befragter erwähnt die Möglichkeit Lavakies als Rasenersatz in besonders intensiv genutzten Zonen einzusetzen (P1). Die von der Gemeinde zu pflegenden Flächen sind oftmals durch hohen Nutzungsdruck stark abgenutzt (TI1).



Lauffläche

Drei Befragte unterstreichen die Wichtigkeit offener, ebener Flächen in den Hundezonen, auf denen ungehindert und verletzungsfrei Laufspiele durchgeführt werden können (TI1, W2).

Grabemöglichkeit

Zwei Befragte erwähnen das arttypische Verhalten zumindest mancher Hunde zu graben (W2). Von einem werden dafür vorgesehene, mit lockerer Erde versehene Bereiche vorgeschlagen (W1). Das Graben von Löchern sollten die Hundebesitzer, so ein anderer Experte, ihren Hunden untersagen (TI1).

Drainagierung

Eine gute Drainagierung, weist ein Interviewpartner hin, ist wichtig für die ganzjährige Nutzbarkeit einer Hundezone (W1).

Wasser

Die Versorgung mit Wasser wird von den Befragten mit unterschiedlicher Bewertung gesehen.

Trinkmöglichkeit

Der sehr kostspielige Wasseranschluss sei in Hundezonen (im Gegensatz zu der ebenfalls kostenintensiven Einzäunung) am ehesten einsparbar, verlautet ein Interviewpartner, räumt aber ein, dass Trinkbrunnen sehr von den HundehalterInnen eingefordert werden (VT1). Die von ihm proklamierte Variante, dass die HundebesitzerInnen selbst Wasser und Schüssel in die Zone mitnehmen könnten (VT1), wird von einem anderen Befragten als zu „aufwändig“ bezeichnet (TI1). Ein Trinkbrunnen mit gutem Zu- und Abfluss und einer integrierten Trinkschale sei zu bevorzugen (TI1). Trinkmöglichkeiten werden von den von uns befragten ExpertInnen oftmals dezidiert gefordert (M1, TI2, VT1, W2).

Schwimmen

Unser Ziel geht auch dahingehend, dass wir Hundezonen mit Wasser schaffen, “ stellt der Tierschutzombudsmann dar (VT1). Die Vorzüge, mit dem eigenen Hund schwimmen gehen zu können, werden auch von einem anderen hervorgehoben (TI1). Die Hundezone neben dem Angelibad an der Alten Donau im zweiten Wiener Gemeindebezirk wird als positives Beispiel herangezogen, „...wobei immer die Streiterei ist und auch rechtlich nicht ganz geklärt ist, dürfen die Hunde ohne Maulkorb und Leine schwimmen gehen, weil: Wo beginnt der öffentliche Ort? Das ist wieder das Problem mit dem Zaun. Daneben ist das Bad. Die Leute die da vorbeischwimmen und der Hund schwimmt. Müsste man fast in das Wasser auch einen Zaun geben“ (VT1).

Bewässerung und Kanalanschluss

Eine Wasserversorgung ist für einen Interviewpartner in Hinblick auf die Bewässerung und Reinigung der Hundezonen wichtig (V1). Die regelmäßige Bewässerung wirkt gegen den Gestank des Hundekotes, gegen eine Verbrennung des Rasens durch den hohen Nitratgehalt des Urins und fördert das Rasenwachstum. Eine „kontaktfreie“ Reinigung durch das Personal der MA 42 wird durch entsprechende Vorrichtungen, wie Wasserschlauch und Kanalanschluss erheblich erleichtert. „Die Standardhundezonen in Wien sind nach wie vor Grünflächen die abgezäunt sind, wo wir vielleicht eine Bewässerung haben im besten Fall, aber in den allerwenigsten Fällen haben wir einen Kanal“ (V1).

Für zu „kostenintensiv“ vor allem für kleine Gemeinden befindet eine Befragte den in Wien gestarteten Pilotversuch einer „selbstreinigenden Hundezone“ (W1). Mistkübel und Sackerlautomat hätten den gleichen Effekt wie die kostspielige Bewässerung, pflichtet ein weiterer Interviewpartner bei (VT1).

Strukturierung, Sichtschutz, Verstecke, Gift

Die meisten in ihrem Tätigkeitsfeld mit Hunden arbeitenden Interviewpartner heben die Bereicherungen einer guten Strukturierung der Hundezonen hervor (M1, TI1, VT2, W2). Durch unebenes, hügeliges Gelände, Steinblöcke, Baumstämme und entsprechende Bepflanzung wird das Terrain interessanter, wie beispielsweise für Lauf- und Versteckspiele. Erhöhte Punkte werden von Hunden, die bekanntlich gerne Ausschau halten, bevorzugt aufgesucht (W1). Sichtschutz bietet den Hunden Überraschungen bei ihren Spielen und beeinflusst durch Auflockerung die Kommunikation und Interaktion positiv und wird als „unheimlich wichtig“ bezeichnet (VT1, W2).

Zusätzlich wirken die Sichtbarrieren konfliktmindernd. Die Möglichkeit den als drohend empfundenen Blickkontakt eines anderen Hundes meiden zu können, dient der Stressminderung und Entschärfung von Streitigkeiten (VT1, W2). Bei einem Experteninterview wird auf die Vorteile von in Welpenspielgruppen angewendeten Schutzröhren für ängstliche, defensive Hunde hingewiesen, die diesen helfen den Sicherheitsabstand zu ihrem „Verfolger“ zu vergrößern (VT1).

Dem ungeachtet ist die Erhaltung einer großzügigen, ebenen, hindernisfreien Lauf- und Tobefläche grundlegend (TI1, W1).

Die in einem Gespräch erwähnten Befürchtungen der HundezonenbenutzerInnen durch eine dichte Bepflanzung die Kontroll- und Einflussmöglichkeiten auf den Hund zu verlieren (VT1), werden von anderen Befragten nicht geteilt (TI1, W1). Dies stelle kein Problem dar, wenn der Hund gut erzogen sei (TI1). Außerdem sei die Hundezone ein Ort an dem der Hund selbstbestimmt tun können soll „was er will“ (W1). In diesen Zusammenhang fällt auch die von einer Befragten betitelte „Urangst der Hundehalter“ vor ausgelegten Giftködern in uneinsichtigen Bereichen der Hundezonen (VT1). Die Expertinnen der MA 60 geben an, dass etwa einmal jährlich eine derartige Meldung eingeht, dass dies aber mitunter mit anderen Erkrankungen verwechselt wird und schwer nachprüfbar sei (VT1). Dies sei generell nicht ausschließbar und „kann überall passieren“ und sei somit kein Kriterium zur Gestaltung von Hundezonen (M1, TI1, VT1).



Bepflanzung

Zur Strukturierung sind Büsche sinnvoll (W1). Robuste Bäume und Sträucher, wegen des Markierverhaltens der Rüden (W1). Wie bereits angeführt, berichtet ein Befragter von der Forderung der HundezonenbenutzerInnen nach Einsehbarkeit auch in die bewachsenen Bereiche (VT1). Ansonsten ist zu beachten, dass keine für Hunde giftigen Pflanzen gesetzt werden und keine Gewächse, die durch Stacheln oder Ähnliches die Verletzungsgefahr erhöhen (VT1, W1). In manchen Wiener Hundezonen stelle die so genannte „Mäusegerste“ ein Problem dar, da sie die Pfoten der Tiere verletze und manchmal Hundezonen unbenutzbar mache, was durch eine regelmäßige Maat zu verhindern sei (VT1). Blumen seien zwar schön anzusehen, hätten aber eine begrenzte Lebensdauer in Hundezonen (W1).

Schatten

Schattige Bereiche werden in zwei Interviews als zusätzlicher Komfort auch für die HundehalterInnen angeführt (VT1, W1).

Weg

Um ganzjährige Nutzbarkeit zu gewährleisten sollte ein befestigter Weg in der Hundezone angelegt werden (TI1, VT1, W1). So werde die Hundezone eher von den HundebesitzerInnen angenommen und bewahre diese vor allzu grober Verschmutzung bei schlechtem Wetter (VT1). Wie zwei Befragte empfehlen, sollte der Weg nicht zu streng und gerade sondern optisch zum Gehsteig aufgelockert sein (VT1, W1).

Beleuchtung

Von den Befragten wird auch angeraten für eine ausreichende Beleuchtung der Hundezone aber auch der Zuwege zu sorgen. Dies erhöht die Annahme der Hundezone auch in der Dämmerung (M1, VT1).

Tische und Bänke

Sitzgelegenheiten für die Leute zum Niedersetzen „beim Tratschen und beim Zuschauen“ sollten integriert sein (TI1, VT1). Hierbei ist aber auf eine rücksichtsvolle Positionierung zu achten, da gerade abendliche Unterhaltungen von den AnrainerInnen als Belästigung empfunden werden können (VT1). Dies ist mitunter durch eine Umstellung der Sitzgelegenheiten in wohnungsfernere Bereiche der Hundezonen leicht vermeidbar (VT1).

Reinigung in der Hundezone, Kenntnis der Rechtslage

Beiden Befragten der Verwaltung, deren Magistrate mit der Reinigung der Stadt oder der Hundezonen beschäftigt sind, war die Regelung der Grünanlagenverordnung nicht bekannt, die bestimmt, dass die VerwahrerInnen von Hunden Verunreinigungen durch Kot in Hundezonen nicht entfernen müssen (V2). „Das ist der einzige öffentliche Ort, wo der Kot liegen bleiben kann“ (VT1).

Zumeist wird von den Experten die Verantwortung beim Hundehalter gesehen (M1, P1, TI1, V2, VT2, W2), obwohl diese gesetzlich nicht dazu verpflichtet sind (VT1), „will man es doch schön haben“ (M1). Folglich ist die grundstücksverwaltende Stelle, zumeist die MA 42 mit der Reinigung der Hundezonen betraut (V2, VT1). Der Gartenbezirksleiter des 2. und 20. Bezirkes versuchte leicht reinigbare Grünflächen, die durch Wasserschläuche und Kanalanschluss gesäubert werden können, zu planen. Besteht diese Möglichkeit nicht, wird der Hundekot vom Reinigungspersonal zusammengekehrt (V1).

Eine zu stark verkotete Zone ist unhygienisch für Tier und Mensch und (aufgrund der geringeren Nutzbarkeit) nur „hinausgeschmissenes Geld“ (W1). In einem Gespräch wird eine Überforderung der Hunde durch eine zu starke Verschmutzung nicht angenommen (VT1). Eine andere Befragte gibt an, dass Hunde – im Gegensatz zum Markierverhalten - saubere Bereiche zum Absetzen von Kot bevorzugen (W1).

Sackerlspender

Die Aufstellung der Sackerlautomaten zum Aufheben und Entsorgen des Hundekotes sei, so ein Interviewpartner, in Wien unterschiedlich geregelt, was zu Unregelmäßigkeiten bei der Befüllung führe (V1). So werden diese in den Hundezonen von der MA 42, auf Anfrage und in Straßenbereichen von der MA 48 und mitunter auch in Eigenregie von den Bezirksvorstehungen selbst errichtet (siehe Zuständigkeiten). Ein anderer Befragter bemerkt, dass die Sackerlspender oftmals leer sind, da die Sackerl unzweckmäßig verwendet werden (P1). Mehrere Befragte sehen Vorteile in der Aufstellung von Sackerlautomaten (P1, TI1, V2, VT1) und Mistkübeln (P1, TI1, VT1).

Beschäftigung in der Hundezone

Neben Spielen, ist die Kommunikation und der Kontakt mit anderen Hunden eine mögliche Betätigung in der Freilaufzone (VT1, W2). Ist der Hund alleine mit dem Besitzer, ist Spiel mit diesem, wie Apportieren möglich (M1, W1). Hierbei rät eine Befragte zur Erstellung von Tafeln, die alternative Spiel- und Beschäftigungsmöglichkeiten mit dem Hund aufzeigen (M1). Ein Experte betont der/die HundehalterIn solle nicht nur als „Chauffeur“ bis zur Hundezone fungieren, sondern sich aktiv mit dem Hund beschäftigen (TI1).

Agility, Spielmöglichkeiten

Ein Interviewpartner schlägt die Errichtung von zwei, drei kleinen Hindernissen vor, die allerdings gewartet und gepflegt und gegen Vandalismus geschützt werden müssen (TI1s). Aufwändigeres wie Klettergeräte hält er für sinnlos. Ein anderer Experte hält die Errichtung eines Agilityparcours für nicht ratsam und warnt vor gesundheitlichen Schädigungen bei ungeeigneten Rassen, wie dem Dackel (W1).

Ausland Hundezone

Die in Den Haag angewandte Variante schwebt einem Interviewpartner als zukünftige Ideallösung auch für Wien vor. Dort gelten ganze Stadtbereiche als Hundezone. Der Interviewte kann sich dies in „sehr, sehr, sehr, sehr weiter Zukunft“ in Verbindung mit einem Qualifikationsnachweis in Bereichen Wiens wie dem Wienerberg vorstellen (VT1). Amerikas Handhabung wird von zwei Befragten erwähnt (TI2). Die 500 m² Sandplätze New Yorks in denen sich zu viele Hunde tummeln wirkt auf einen abschreckend (TI1). Ein anderer hält die amerikanischen Parks auf privater Basis mit deren professionellen Hundetrainern und der dort üblichen Einsichtigkeit für „nicht schlecht“ (TI1).

Multifunktionale Zonen

Die Möglichkeit multifunktionaler Zonen, in denen sich Hunde, deren Besitzer und restliche Parkbesucher gemeinsam aufhalten, wird von einem Experten als problematisch gesehen (W1). Er befürchtet ein erhöhtes Konfliktpotential mit RadfahrerInnen und JoggerInnen und warnt vor der Gefährdung der leicht ins Beuteschema fallenden Kinder (W1). Auch in Hinsicht auf die Exkremente und die Gewährleistung eines sicheren Freilaufes sei die in Wien gehandhabte Variante der Trennung und Ausweisung eigener Hundeauslaufbereiche zu bevorzugen.

Regeln

Ein Interviewpartner hebt hervor, dass die HundebesitzerInnen sich NichthundehalterInnen und vor allem Kindern gegenüber, die sich in der Hundezone aufhalten, verantwortungsvoll zu verhalten haben und auch dort zur Einhaltung des Wiener Tierhaltegesetzes verpflichtet sind. „Die Sicherheit des Menschen hat Vorrang“ (VT1).

Organisation

Nicht nur die bauliche Gestaltung ist zu berücksichtigen, sondern auch die Aufstellung eines Managementplanes, der Reinigung und Maat beinhaltet, ist, so ein Befragter, anratenswert (VT1). „Hinausgeschmissenes Geld als sinnlos“ bezeichnet er Hundezonen, die trotz mitunter hoher Errichtungskosten aufgrund mangelnder Pflege nicht benutzbar sind (VT1, W1). Eine ExpertIn regt an, in den Hundebereichen Schulungen für die HundehalterInnen anzubieten (M1).

Erreichbarkeit

Nahe Entfernung wird zwar als wichtig erachtet (TI1), es wird aber darauf hingewiesen, dass der Hundehalter selbst einschätzen muss, ob er in der Lage ist, seinem Tier ausreichend Auslauf und somit eine artgerechte Haltung zu ermöglichen (TI1, V1, VT1, W1). Bei der Errichtung von Hundezonen sollte auch Augenmerk auf eine gute Erreichbarkeit gelegt werden, nach Möglichkeit nicht „mitten durch den Park“ und somit durch leinenpflichtige Bereiche, was nur zu Konflikten führe (VT1).

AnrainerInnen

Auf die AnrainerInnen ist Rücksicht zu nehmen. Gerade akustische Belästigungen durch Bellen der Hunde oder Unterhaltungen der HundezonenbenutzerInnen (mitunter NichthundehalterInnen) gehören bedacht bei der Errichtung einer Hundezone und der Positionierung der Sitzgelegenheiten. Bisweilen werden Hundezonen abends gesperrt (VT1).