1Hundezonennutzerinnen-befragung

Ziel war keine quantitative Erhebung, vielmehr galt es die Erkenntnisse, die wir durch die Befragung der FachexpertÎnnen erlangten, durch den/die ExpertenIn vor Ort, den/die BenutzerIn, zu ergänzen. Dafür entwarfen wir einen Leitfaden für ein Interview direkt in den Hundezonen. Um zu erfahren, welche Qualitäten die verschieden gestalteten Hundezonen haben, versuchten wir das ganze Spektrum der Hundezonen in Wien zu beleuchten. Wir erstellen eine Typologie und unterscheiden vorerst durch die Größe der Zone. In den ExpertInneninterviews kam es öfter zu einer Diskussion, ob kleine Hundezonen überhaupt eine Funktion haben, und wenn diese Funktion das Koten und Harnen war, ob die Erhaltung dann überhaupt sinnvoll ist. Ein zweites wichtiges Kriterium war für uns das Vorhandensein eines Zauns und wenn vorhanden, ob er gewünscht wird. Ein Zaun schafft die Möglichkeit ohne dauernde Kontrolle seinen Instinkten nachgehen zu können.

Bei der Befragung erwies es sich als schwierig, überhaupt an Leute in den kleinen nicht eingezäunten Zonen heranzukommen. Es stellte sich heraus, dass diese Flächen ausnahmslos zum Lösen des Hundes benutzt werden. Die Aufenthaltsdauer beschränkte sich auf die Zeit, die der Hund dafür benötigt. Wichtig für die Nutzung ist dabei, dass sich diese in der Nähe der Wohnstätte liegt. Sie werden genutzt, um die Gassi-Pflicht möglichst einfach und unbehelligt zu erledigen. Das Vorhandensein von Gras empfindet man als Qualität, weil viele Hunde sonst Schwierigkeiten haben sich zu lösen. Die Befragten fanden die Flächen ausreichend gut gestaltet.

Die drei Beispielflächen der ersten Kategorie, die wir dafür herangeziehen, waren ein schmaler Hundebereich vor dem Schütte-Lihotzky-Park, eine im Einsiedlerpark und eine im Hundsturmpark. Sie befinden sich alle im 5. Bezirk, also in einem dicht verbauten Gründerzeitviertel.

Bei der Befragung stellt sich heraus, dass diese Flächen sich eigentlich nicht für die Beschäftigung für und mit dem Hund eignen. Mit der Leine am Hals wird der Hund auf die Toilette geführt, um danach wieder anderen (Menschen-)Dingen nachgehen zu müssen. Um weitere Möglichkeiten der Beschäftigung zu bieten, fehlt diesen Flächen der Zaun, der die Freiheit des Hundes scheinbar erst ermöglicht.

Die zweite Kategorie vergleichbarer Flächen beinhaltet zwei Hundezonen, die klein und eingezäunt sind. Unsere Beispiele, die Hundezonen im Esterhazypark und vor dem Alfred-Grünwald-Park. Sie sind innerstädtisch und in relativer Nähe zueinander, beide haben einen Trinkbrunnen, Sitzbänke und eine wassergebundene Decke beziehungsweise Lava-Kies als Bodenbelag. Teilweise ist auf Seitenflächen Gras vorhanden.

Neben dem Gassi-Gehen nannten die HundebesitzerInnen als besondere Qualität, dass sich der Hund frei bewegen kann. Ohne Leine hat er die Chance mit anderen Hunden zu spielen, und sich auszutoben. Wichtig war den NutzerInnen auch die Gelegenheit sich mit anderen gleichgesinnten Leuten ungezwungen zu unterhalten. Es bilden sich kleine Gemeinschaften mitten in der Stadt, die für so manche/n Befragte/n ein Anlass sind, in eine spezielle Hundezone zu gehen. „Eine moderne Bassena“, bezeichnete eine Gruppe junger Frauen beim Alfred- Grünwald-Park diese Gelegenheit neue Leute kennen zu lernen und ein wenig zu plaudern. „Man fühlt sich wie in einem kleinen Dorf, wo man sich kennt und grüßt“, schildert eine Frau ihre für sie positiven Erfahrungen.

Diese kleine Gemeinschaft wird nicht nur von den MitgliederInnen als angenehm empfunden, sie hat auch weitere positive Effekte. Sich zugehörig zu fühlen bedeutet auch, sich verantwortlich zu fühlen. Es werden kleinere Probleme, die in anderen Hundezonen als negativ empfunden werden, durch die NutzerInnen selbst gelöst.

Ein vorbildliches Beispiel wir im Alfred-Grünwald-Park. Wir wurden mehrmals während der Interviews auf eine Gruppe von älteren Damen hingewiesen, die sich besonders um die Fläche kümmert. Im Gespräch mit ebendiesen stellte sich heraus, dass sie sich schon seit der Planung der Zone um diesen Platz bemühen. Sie pflegen den Kontakt mit der MA 42 und wurden auch bei der Neugestaltung der Zone mit eingebunden. Sie kümmern sich allmorgendlich - eigenhändig - darum, dass die Sauberkeit erhalten bleibt, und dadurch gehört es hier zum „guten Ton“ das „Hingelegtes“ „Weggeräumtes“ wird. Wenn einmal die Sackerlspender leer werden sollten, werden sie selbstständig nachgefühlt, da die MA 42 die Damen mit Ersatzmaterial bestückt. Auch kann es passieren, dass schwierige Hunde schon einmal freundlich hinausgebeten werden, um den allgemeinen Frieden zu erhalten. Der Aufenthalt wird sichtlich positiver empfunden. Die vielen PassantInnen am Weg in, von und um den Naschmarkt werden als angenehm, vorbeifahrende SkateboarderInnen und RadfahrerInnen als Bewegungsmotivation für die vierbeinigen Begleiter, und selbst die objektiv relativ kleine Fläche als durchaus ausreichend erlebt. Die Plakatwände verschönern die eintönige Wand und sorgen, dank Ihrer starken Beleuchtung, für Sicherheit in der Nacht.

Anders schildern die NutzerInnen des Esterhazyparks ihre oft täglichen Besuche. Sie bleiben meist kurz, bemängeln die Sauberkeit und sind daher selbst nicht sonderlich motiviert, die Probleme zu beseitigen. „Die Sackerlspender sind leer und die Stadt kommt mit dem Säubern nicht nach“, argumentieren die HundehalterInnen. Bei fehlender Eigenmotivation zur Reinlichkeit akzeptiert man es scheinbar eher, wenn es einmal nicht ganz so sauber ist. So geben auch hier die BenutzerInnen an, mit dem Bereich für gewisse Zwecke zufrieden zu sein. Mit PassantInnen hat man schlechte Erfahrungen gemacht und empfindet die Lage im Park als zu exponiert. Man würde eine ruhigere Ecke bevorzugen.

In beiden Hundebereichen gibt es Versuche die Grenzflächen zu bepflanzen. Im Alfred-Grünwald-Park die Wand zum restlichen Park und im Esterhazypark den Zaun zur Straße. Die dafür vorgesehenen Gewächse wurden innerhalb der Fläche gepflanzt, und so dem intensiven Markierungsversuchen der Rüden und dem Verbiss preisgegeben. Letzteres versucht man im Esterhazypark durch Gitter zu verhindern, die aber nun wiederum ein Verletzungsrisiko darstellen, das erste Problem aber nicht beseitigen. Ein weiteres Manko ist der Zaun. Es wird als wichtig empfunden, dass die Türen gut schließen. Gleichzeitig wird bemängelt, dass der Zaun Lücken aufweist. Im Alfred-Grünwald-Park schließt der Zaun nicht mit dem Boden ab. Dies wurde mittlerweile behoben. Kleinere Hunde können unten durchkriechen, und geworfene Bälle verfehlen dieses Ziel nur selten. Beim Esterhazypark wiederum können die Hunde mit den Schnauzen durch das Gitter fassen, und so kam es schon zu unangenehmen Kontakten mit der Außenwelt.

In die dritte Kategorie fallen große, eingezäunte Hundebereiche in der Stadt. Unsere Beispielflächen sind im Gürtelmittelstreifen auf der Höhe der Eichenstraße und im unweit davon gelegenen Waldmüllerpark. In beiden Zonen gaben die BenutzerInnen an, dass sie sich meist eine Stunde oder länger dort aufhalten. Die Gründe für den Besuch sind vor allem der Kontakt mit anderen Zwei- und Vierbeinern. Wie immer spielt bei der Kategorie drei die Nähe zum Wohnort eine Rolle. Als Qualität wird die üppige Vegetation genannt. Man fühlt sich wie in der Natur mitten in der Stadt, gaben die Interviewten an. Die große Fläche wird auch als wichtiges Kriterium für den Besuch angesehen. Der asphaltierte Weg, der durch beide Zonen führt, ist ein Pluspunkt, vor allem bei schlechtem Wetter. Auch der Trinkbrunnen wird gerne angenommen, im Gürtelbereich würde man sich allerdings einen größeren wünschen, bei dem man frisches Wasser nachpumpen kann und dieses durchaus auch für den Menschen nutzbar macht. Die vorhandenen Versteckmöglichkeiten, die die Büsche bieten, sind ein weiterer Bonus für beide Hundebereiche. Die Hunde nutzen sie zum Spielen.

Als unangenehm werden andere NutzerInnen empfunden. Im Gespräch erfahren wir, dass die Zonen anscheinend vor allem nachts als Zufluchtsort für Jugendliche, „Drogensüchtige“ und Obdachlose dienen. Scherben, Spritzen und anderer Müll, der für Hunde gefährlich werden kann, bleibt liegen. In diesem Zusammenhang wird auch die Beleuchtung in der Nacht als mangelhaft beschrieben. Aber auch Kinder, RadfahrerInnen und andere NichthundebesitzerInnen, die untertags den Hundebereich als solchen nicht wahrnehmen, sind Auslöser von Konflikten. Dabei geht es weniger um den Aufenthalt an sich, der zu Problemen führt, vielmehr fordern die HundebesitzerInnen, dass dies einer der wenigen für Hunde reservierten Bereiche ist und sich in diesem Fall die anderen NutzerInnen entsprechend verhalten sollen. Die Situation ist im Waldmüllerpark verschärft, da der zum Park angrenzende Zaun niedrig ist und der Weg, der diesen entlang führt, der zentrale Treffpunkt ist. Andere BenutzerInnen des Parks, darunter vor allem Kinder, nutzen den Zaun intensiv zu körperlich und akustischen Grenzübertritten.

Wieder beschwerten sich die NutzerInnen über die Türen. Sie schließen schlecht und ermöglichen größere, ungewollte Ausläufe.

Eine Besonderheit ist der Pavillon im Waldmüllerpark. Er bietet die Möglichkeit bei Schlechtwetter Unterschlupf zu suchen, wird aber kaum angenommen. Im Gegenteil, ist er doch ein zusätzlicher Anziehungspunkt für NichthundebesitzerInnen.

Befragungen haben wir auch im Angelibad, einer sehr großen eingezäunten Hundezone etwas außerhalb der Stadt gelegen durchgeführt. Besonders ist hier die Lage am Wasser. Sie liegt an der Alten Donau und erinnert mehr an ein Strandbad als an eine Hundezone. Eine große Wiese ein kleiner Strand einige Tisch-Bank-Kombinationen und sogar ein Buffet zählen zur Ausstattung.

Es kommen auch weiter entfernt wohnende BesucherInnen mit dem Auto speziell hierher. Sie bleiben meist länger als eine Stunde. Der Kontakt unter den HundehalterInnen ist intensiv. Es haben sich einige Gruppen gebildet, die sich nahezu täglich treffen. Neben den üblichen Nutzungen, die ein Hundebereich bietet, kommt das Schwimmen im Wasser als eine weitere Attraktion im Sommer dazu. Für die Hunde gibt es außerdem noch ein paar große Baumstämme zum Bespielen, die auch gerne angenommen werden.

Als störend werden hier andere, „schlecht erzogene“ Hunde empfunden. Kampfhunde und deren BesitzerInnen sind ein besonderes Ärgernis und erzeugen bei vielen Angst. Bei der langen Aufenthaltsdauer fordern manche NutzerInnen eine Toilette. Die Befragten geben auch an, dass die Beleuchtung mangelhaft ist. Durch den Strandbadcharakter werden vor allem im Sommer viele NichthundebesitzerInnen angezogen, die dann aber, so gaben es die HundebesitzerInnen an, wenig Verständnis für Hunde mitbringen. In dieser Zeit werden die Sitzplätze knapp, und das Problem der fehlenden WC-Anlagen verschärft sich. Abhilfe schaffen im Sommer aufgestellte Mobilklos.

Konfliktbeladen ist auch die Situation mit den KleingartenbesitzerInnen, denen die Hundezone sprichwörtlich „vor die Tür“ gesetzt wurde. In Spitzenzeiten sollen –laut einer Schätzung eines Befragten – bis zu 150 Hunde ihren lautstarken Instinkten nachgehen.

Eine Frau gibt an, dass sie bei der Entstehung dieser Zone mitwirkte. Aus einer wilden Hundewiese entstand hier, durch Demonstrationen politisch durchgesetzt, eine offizielle Hundezone. Heute noch pflegt sie den Kontakt mit den zuständigen Stellen.

Eine andere Art von Hundebereich stellen die großen Hundewiesen ohne Zaun dar. Wir fassen sie in Kategorie vier zusammen. Sie erstrecken sich über eine große Fläche und werden meist von vielen verschiedenen Erholungssuchenden benutzt. Die Heuberggstätten ist solch eine Fläche. Entstanden ist sie auf einer Mülldeponie, deren Lüftungssysteme heute Zeugnis abgeben. Hierzu bereitgestellte Parkplätze werden gerne angenommen. Die Befragung ergibt, dass die HundebesitzerInnen von weit entfernt anfahren, um hier mit ihrem Hund zu sein. Lange Spaziergänge über eine Stunde sollen den vierbeinigen Begleitern genügend Auslauf bieten. Der Kontakt mit anderen Hunden ist dabei erwünscht. Ein Hundebesitzer gibt allerdings an, dass er sich durch andere, teilweise frei laufende Hunde gestört fühlt.

Als positiv geben die Leute die Größe und das damit verbundene Naturerlebnis an. Negativ empfand man das Fehlen von Beleuchtung, das vor allem im Winter die Nutzung einschränkt. Es wird gefordert, dass zumindest die Hauptwege beleuchtet werden sollten. Konfliktsituationen ergeben sich mit anderen NutzerInnen, die entweder Müll bei den vorhandenen Bänken hinterlassen, oder sich körperlich betätigen und so ein potentielles Jagdziel darstellen. Kindergartengruppen sollen diese Fläche als Ausflugsziel nutzen. Auch stört man sich an den HundebesitzerInnen, die Ihre Hunde auf die Wege koten lassen.

Eine letzte Gruppe, die wir in unserer Befragung mit einbeziehen wollen, sind die HundebesitzerInnen, die keine Hundezone aufsuchen. Bei der Befragung auf der Straße sind die Gründe vielfältig für das Meiden von den reservierten Hundebereichen.

Einerseits geben die Leute an, dem Hund an anderen besser geeigneten Orten die Möglichkeit zum Auslauf zu bieten. Ein Besitzer meint in diesem Zusammenhang, dass die Stadt prinzipiell der falsche Ort für Hunde ist, und sie dort nicht artgerecht gehalten werden können. Andererseits werden Hundezonen gemieden, weil die BesitzerInnen Schwierigkeiten bei der Verträglichkeit mit anderen Hunden aus dem Weg gehen wollen. Man befürchtet aggressive Übergriffe. Ein weiteres Argument gegen den Besuch ist, dass sie unhygienisch sind, zu klein, zu dreckig und zu übel riechend.