1Plädoyer für Hunde und Hundezonen in der Stadt

Seit beinahe zwanzig Jahren gibt es nun Hundezonen in Wien. Bei genauer Betrachtung sind die Gründe der Hundehaltung und in weiterer Folge der Ausweisung leinen- und maulkorbfreier Zonen umfangreich.

Die große Popularität der Hunde ist augenfällig. „Der beste Freund des Menschen“ wird unabhängig von Alter, Ausbildung oder sozialer Zugehörigkeit gehalten. Tabelle 4 verdeutlicht die Beliebtheit der Vierbeiner in europäischen Ländern. Österreich nimmt hier eine hintere Position ein, wie sich an dem Wert der „Hunde pro hundert Einwohner“ zeigt.

Tabelle 4: Hundehaltung in Europa

Der daraus resultierende finanzielle Nutzen für die Wirtschaft des Landes ist, wie im Kapitel Vor- und Nachteile der Hundehaltung angeführt, beträchtlich. Die Bedeutung, die dem Hund zukommt wird auch in Anbetracht der langen, gemeinsamen Geschichte offenbar. Das älteste Haustier des Menschen lebt in enger Gemeinschaft mit diesem und ist ihm in zahlreichen Bereichen Unterstützung. Abgesehen von den mannigfaltigen Einsatzgebieten als Arbeitshunde, die in der Jagd, bei Katastropheneinsätzen oder bei der Polizeiarbeit eingesetzt werden, leistet er auch emotionale Dienste. Die zahlreichen positiven Auswirkungen auf die menschliche Seele werden in immer mehr Untersuchungen belegt. Genauso kann die Beeinflussung der körperlichen Fitness, wie des Herz-Kreislaufsystems, das durch die gemeinsamen, regelmäßigen Spaziergänge angeregt wird, nachgewiesen werden. Kinder, die mit einem Hund aufwachsen, verfügen über höhere soziale Kompetenz und Lernfähigkeit. Bei älteren Personen ist er beliebt als treuer Begleiter und Ansprechpartner. Menschen werden auf ihren Hund oft angesprochen und kommen so vermehrt zu sozialen Kontakten. Der Hund wirkt als sozialer Katalysator.

Die zahllosen, erfreulichen Effekte auf das menschliche Zusammenleben können nur in vollem Umfang ausgeschöpft werden, als dem Tier eine artgerechte Haltung und Lebensführung gewährleistet wird. Die Bedürfnisse der domestizierten Hunde nach sozialem Kontakt mit Artgenossen, ausreichend Bewegung und geistiger Beschäftigung durch natürliche Reize, müssen befriedigt werden. Die Hundeverhaltensexpertin Feddersen-Petersen fordert hierzu: „Dazu sind strukturierte Ausläufe mit Bäumen, erhöhten Plätzen und Wiesenflächen einzurichten… Obligatorisch sind gerade im Großstadtbereich `Hundebegegnungsstätten´: große, begrünte und eingezäunte Auslaufflächen, die vielfältige Kontakte für Hund und Halter ermöglichen“ (Feddersen-Petersen 1997, S. 281, 283). In diesen soll der Hund ohne allzu viele Einschränkungen seinen Trieben nachgehen können. Als Einschränkung muss hierbei die Leine gesehen werden, da „[e]in Demonstrieren der sozialen Position, Geruchskontrollen u.a. … nicht allein durch die Leine eingeschränkt, sondern vom leineführenden Menschen stark beeinflusst“ werden (Feddersen-Petersen 1997, S. 282). Die Errichtung von Hundezonen ist zugleich notwendig zur Einhaltung der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen. Laut zweiter Tierhaltungsverordnung betreffend deren Mindestanforderungen, muss Hunden, die vorwiegend in geschlossenen Räumen, wie Wohnungen, gehalten werden, mehrmals täglich die Möglichkeit Kot und Harn im Freien abzusetzen geboten werden. Und weiter: „Hunden muss mindestens einmal täglich, ihrem Bewegungsbedürfnis entsprechend, ausreichend Gelegenheit zum Auslauf gegeben werden.“ (siehe Hund und Recht). Diese Formulierung lässt dem/der HundehalterIn allerdings Auslegungsspielraum. Gerade in diesem Bereich wären auf wissenschaftliche Untersuchungen gestützte tierschutzgerechte Richtlinien wünschenswert. Die „Gesellschaft zur Förderung Kynologischer Forschung“ (GKF) in Deutschland unterstützt die derzeit laufende Studie rund um das Forscherteam Nachtigall, Warnke und Kiefer. Ziel ist es mittels laktatgestützter, sportmedizinischer Verfahren den Bewegungszustand eines Individuums zu ermitteln sowie einen Maßstab zur Beurteilung „ausreichender“ und „artgerechter“ Bewegung zu erarbeiten (vgl. Nachtigall et al. i.A.). Feddersen-Petersen (1997, S. 280) empfiehlt zwei bis vier Stunden Auslauf am Tag. Bei ausreichender körperlicher Bewegung im Freien entspricht, so Feddersen-Petersen weiter, auch die Haltung großrahmiger Hunde in der Stadtwohnung einer tiergerechten Hundehaltung. Die Stadt Wien rät im „Wiener Hunde Ratgeber“ mit dem Hund möglichst oft, also früh, mittags, abends und vor dem Schlafengehen, vor die Türe zu gehen, um ihm abhängig von Größe, Alter und Trainingszustand Gelegenheit zu bieten, sich zu bewegen und seine Notdurft zu verrichten. Als Faustregel wird mindestens eine halbe Stunde pro Ausgang genannt (vgl. Cermak et al 2006, S. 25). Genügend Auslastung der Hunde verhindert daneben aggressive Verhaltensweisen, die sich durch Defizite in der Artgerechtigkeit, insbesondere des Sozialverhaltens, erklären lassen, und ist dementsprechend ein bedeutender Faktor im gefährdungsfreien Zusammenleben mit dem Menschen in der Stadt. Wie der Wiener Tierschutzombudsmann unterstreicht, kann Hundehaltung in der Stadt nur unter Beschränkungen, im Sinne eines sicheren, belästigungsfreien Zusammenlebens zwischen Mensch und Tier, erfolgen.

Die Ausweisung von Hundezonen kommt aber auch direkt den menschlichen Begleiterinnen zugute, sind diese doch Begegnungsstätten und schaffen Raum zum Kontakt mit Gleichgesinnten. Hier kann der/die HundehalterIn den Vierbeiner beruhigt freilassen ohne andere ParkanlagennutzerInnen zu behelligen. Damit Hundehaltung in der Stadt für Menschen aller sozialer Schichten möglich ist und nicht nur einer begünstigten Bevölkerungsgruppe, die am Stadtrand wohnt oder ausreichend mobil ist, sind Hundefreiräume gerade in dicht bebauten Gebieten notwendig. In diesen Bereichen, die nur beschränkt über Grünräume verfügen, kann es weiters zu einer Entlastung der übrigen Freiflächen kommen. Die Hundehalterinnen stellen eine bedeutende Gruppe der ParkanlagennutzerInnen dar, sind sie doch unabhängig von Witterung und Jahreszeit mehrmals täglich auf diese öffentlichen Freiräume angewiesen.