1Organisation

Ein wichtiger Punkt bei der Haltung von Hunden in der Stadt ist die gute Erziehung und die Kenntnis der Bedürfnisse von Hunden. Die Stadt versucht dies bei den HundebesitzerInnen zu fördern. Für das Ablegen der Hundeführscheinprüfung über die Kenntnis des Verhaltens von Hunden und über die Rechte und Pflichten in der Stadt, wird der/die HundehalterIn ein Jahr von der Hundesteuer befreit und erhält außerdem noch ein Paket mit Futter und anderen nützlichen Dingen rund um den Hund. Die Dunkelziffer der HundebesitzerInnen, die Ihren Hund nicht angemeldet haben, ist allein in Wien zwischen 50 und 100 % (vgl. Purtscher 2001, S.9).

Ein Teil der HundehalterInnen besucht Hundeschulen, um den Hund optimal zu erziehen. Dort lernt man nicht nur mit seinem Hund umzugehen sondern auch die Regeln, die man in der Stadt beachten sollte. Eine interessante Initiative startete der Bezirksvorsteher von Margareten Mag. Kurt Wimmer. Er engagierte einen Hundetrainer und versuchte über eine Aussendung HundebesitzerInnen in seinem Bezirk zu mobilisieren, freiwillig an einem kostenlosen Workshop für Hundehaltung und  erziehung teilzunehmen. Zehn Leute (überwiegend Frauen) meldeten sich und wurden zuerst theoretisch über Hunde und deren Erziehung unterrichtet. Am nächsten Tag folgte ein praktischer Teil in einer Hundezone im Bezirk. Vor allem Fragen der Ausbildung, der Beschäftigung und der Haltung von Hunden in der Stadt wurden beantwortet. Dies kann natürlich einen Besuch in einer Hundeschule nicht ersetzen, hat aber vielen neue unbekannte Perspektiven in dem Zusammenleben mit dem Hund in der Stadt aufgezeigt. Das Interesse für weiterführende Kurse wird geweckt. Die unmittelbare Bürgernähe ermöglicht Anliegen, Tipps zur Stadtreinheit des Bezirkes „an den Mann zu bringen“. Vorstellbar wäre auch die Abhaltung von Welpenspielgruppen zu festgesetzten Terminen, in denen die Zonen oder Teile davon zeitweilig für andere Hunde gesperrt sind. Gerade in dieser frühen Phase der Entwicklung eines Welpen ist Sozialkontakt zu anderen Hunden wichtig für eine gesunde Entwicklung der Tiere. Aber auch geleitete Schulungen können abgehalten werden, in denen leichte Übungen aus dem Hundesport Agility, wie das Springen über kleiner Hürden oder der Slalom zwischen Stangen mit dafür geeigneten Tieren praktiziert werden.

Abb. 66: Tiertrainer in der Hundezone

Dies ist nicht nur ein gutes Service für die HundebesitzerInnen sondern auch eine gute Werbung für den Besuch von Hundeschulen. Eine Kooperation in dieser Richtung würde bei regelmäßigen Besuchen möglicherweise eine gelungene Situation für alle Beteiligten sein. Die Politik zeigt Interesse, die Hundeschulen haben neue BewerberInnen und die HundebesitzerInnen lernen wie angenehm ein gut erzogener Hund vor allem im Stadtleben sein kann. Alle anderen profitieren durch sicherere Hunde und verantwortungsvollen BesitzerInnen. Gut erzogene Hunde mit pflichtbewussten BesitzerInnen, die über dessen Bedürfnisse Bescheid wissen, sind Vorraussetzung für ein gesundes und sicheres Zusammenleben von Hunden und Menschen in der Stadt. Erst wenn die Straßen vermehrt frei von Hundekot sind und die Schlagzeilen von Verletzungen durch Hunde weniger werden, wird der Vorteil durch Hunde in der Stadt für alle, und nicht nur für die HundebesitzerInnen selbst augenscheinlich. Jede/r HundehalterIn trägt die Verantwortung eine Imageverbesserung zu bewirken. Dies ist auch eine Chance für neue Wege der Hundehaltung in der Stadt. Als Positivbeispiel gilt Den Haag, eine dänische Kleinstadt, in der man für gut erzogene Hunde ganze Stadtviertel öffnet. Hundebesitzerinnen, die eine Ausbildung vorweisen können, dürfen sich mit ihrem Vierbeiner ohne Leine oder Maulkorb in bestimmten Bereichen der Stadt bewegen (Gsandtner 2006, persönliches Gespräch).

Wenn eine profunde Ausbildung des Hundes und das konsequente Reinhalten der Grünflächen zum guten Ton gehören würden, gäbe es weitere Möglichkeiten der Verbesserung der Situation der Hunde in der Stadt. Viele Freiflächen in der Stadt werden nur von bestimmten NutzerInnengruppen und dann meist nur zu bestimmten Zeiten genutzt. So gehen viele Berufstätige mit ihrem Hund in den Morgenstunden und in den Abendstunden spazieren, haben aber untertags keine Zeit. Anders viele Jugendliche und Eltern mit Kindern: Sie sind am Vormittag und am Nachmittag vermehrt im Freien und nutzen die Parks und Plätze (vgl. Fröhlich et al 2003, S. 14). Die Flächen zu bestimmten Zeiten für die verschiedenen Interessen freizugeben wäre möglich. Eine Mehrfachnutzung von Flächen entspannt die Freiraumsituation im urbanen Raum. Langfristig ist das Miteinander Aller anzustreben. Es ist nicht zwangsläufig so, dass Hunde nur in eingezäunten Bereichen sicher verwahrt sind. Sozial ausgeglichene und richtig erzogene Hunde stellen bei richtigem Umgang keine Gefahr für ihre Umgebung dar, mehr noch sie können sie positiv mitgestalten. In multifunktionalen Zonen, also Flächen, die von Menschen in unterschiedlicher Art und Weise genutzt werden, muss man, um ein friedliches Miteinander zu erhalten, Regeln aufstellen, die über Rechte und Pflichten der NutzerInnen aufklären. Wenn die Lage und Grenzen einer Hundezone für HundehalterInnen aber auch für NichthundehalterInnen klar ersichtlich sind, den Einen klar ist, dass auch in diesen Bereichen die Aufsichtspflicht einzuhalten ist und unzumutbare Belästigungen vermieden werden müssen, und die Anderen Rücksicht auf die Eigenarten und Bedürfnisse der Tiere nehmen, steht einem friedlichen Miteinander nichts im Wege. So manche/r NichthundehalterIn reiht sich in die Gruppe der HundebefürworterInnen ein und erfreut sich gleichermaßen am Anblick spielender, freilaufender Hunde (vgl. Grotzeck 2001, S. 207). Dies konnten wir im Waldmüllerpark beobachten. An einem Sonntag im Sommer stand eine große Menschentraube entlang des Zaunes zur Hundezone und bestaunte die „Attraktionen“. Die Vorteile, die multifunktionale Flächen Familien mit Hund bieten können, liegen in dem gemeinsamen, gleichzeitigen Ausflug in die Wiener Grünflächen, was auf Kinderspielplätzen aufgrund des Hundeverbots nicht erlaubt ist.

Abb. 67 und 68: Kinder und Hunde

Gerade im Zuge der in den Medien geführten Hundekotdiskussion ist die Eigeninitiative mancher HundehalterInnen im Alfred Grünwald-Park bemerkenswert. Jeden Morgen räumen drei Damen die Hinterlassenschaften der Hunde in der Hundezone weg. Die Vorbildwirkung kann selbst in Augenschein genommen werden, ist dies doch trotz hoher Nutzungsintensität eine sehr saubere Zone mit hoher Aufräummoral. Ein Grund dafür könnte die Wirksamkeit der sozialen Kontrolle untereinander sein. In öffentlichen Flächen sind die Möglichkeiten der Aneignung wichtig für deren dauerhafte Nutzung und Funktionalität. Je mehr man sich mit einem Ort identifizieren kann, umso weniger Kosten verursacht seine Erhaltung, bei gleichzeitig hoher Zufriedenheit seiner NutzerInnen. Eine Identifikation und Zufriedenheit mit der Wohnumgebung veranlasst die Menschen vermehrt und eigenständig auf Instandhaltung und Sauberkeit zu achten, Vandalismus wird seltener. „Die vermehrte Nutzung und Pflege der Grünflächen bewirkt nicht nur die Abgabe der Verantwortung und der Kosten für das Stadtgartenamt, sondern auch die Zunahme an Ausdrucksmöglichkeiten für die NutzerInnen einer Stadt, und die Identität und der Vielfältigkeit einer Stadt, die diese dann erst wohnlich und anziehend machen“ (Ramharter & Eckl 2001, S. A19).

In drei Hundezonen sprachen wir mit besonders engagierten Personen, die sich aktiv für „ihre“ Hundezone stark machen. Sie haben regen Kontakt mit den Mitarbeiterinnen der MA 42, fordern Hundekotsackerl und füllen sie bei Bedarf nach, waren zum Teil schon bei der Errichtung der jeweiligen Hundezone mitbeteiligt und sind oftmals AnsprechpartnerInnen für andere HundezonennutzerInnen. Dieses Potential, das dem Stadtgartenamt und der Qualität der Hundezone vielfach zugute kommt, gilt es aktiv zu fördern und die Entstehung von engagierten Gruppen zu unterstützen. Themenverwandt ist der an den unzähligen Zetteln, Werbungen und anderen Aushängen, die wir an Bäumen, Sackerlspendern und Mistkübeln nahezu in jeder Hundezone vorgefunden haben, ablesbare Bedarf nach einem „Schwarzen Brett“ als Austauschmedium. Hier können entlaufene Tiere gesucht, TiersitterInnen beworben und gemeinsame Aktivitäten angekündigt werden. Auch Probleme und Konflikte können hier von allen Seiten angesprochen werden.















Abb. 69, 70, 71: Aushänge an Bäumen in den Hundezonen

















Abb. 72, 73: Aushänge an Mistkübeln

Bei unseren Befragungen konnten wir zu unserer Verwunderung feststellen, dass vielen HundezonennutzerInnen nur wenige Auslaufmöglichkeiten abseits der alltäglich genutzten Zonen der näheren Umgebung bekannt waren. Das Potential der großen Hundefreiräume und die Qualitäten einzelner außergewöhnlicher Hundezonen kann hier noch weiter ausgeschöpft werden. Die Hundezonenliste auf der Internetseite der Stadt Wien (www.wien.gv.at) ist nur wenigen bekannt. Wir schlagen vor, eine umfassendere Hundezonenliste zu erstellen, die neben den bisher angeführten Angaben zu Größe, Einzäunung und Tränken auch andere bestimmende Parameter angibt. Auffallend bei der bestehenden Liste ist, dass die Hundezonenadresse nur unzureichend Auskunft über die tatsächliche Lage der Hundezonen gibt. Zwar ist bei manchen ein Link zum umgebenden Park angegeben und über diese Seite die Lage mittels Stadtplansuche abrufbar, eine Ausdehnung dieses Services auf alle Bereiche ist aber anzuraten. Zusätzlich zu den (kostengünstigen) Informationserweiterungen im Internet kann eine Hundezonenbroschüre im Format des „Wiener Hunde-Ratgebers“ angedacht werden. In dieser sind neben eingängigen Bezeichnungen der Hundezonen, deren genauer Lage und Adresse, vorhandene Parkmöglichkeiten, Behindertengerechtigkeit, Besonderheiten bis hin zu möglichen Kontaktpersonen von Amt und privater Seite anzugeben.

Eingängige Bezeichnungen der Hundezonen sind anzustreben. Wie man wenn man einen Wiener Park aufsucht sagt „Treffen wir uns im Waldmüllerpark“, kann dies auch von der Stadt in Bezug auf die Hundezonen angeboten werden. So kam es beispielsweise bei dem im fünften Bezirk von der Bezirksvorstehung organisierten Hundevortrag mit anschließender praktischer Übungsvorführung zu Missverständnissen. Die Bezeichnung „die Hundezone im Mittelgürtelbereich“ war zu ungenau. Wienweit kommen hier drei, im fünften Bezirk zwei Hundezonen in Betracht. Die in der Hundezonenliste aufgeführte Bezeichnung „Margaretengürtel/Eichenstraße“ wird sich in der Alltagssprache wahrscheinlich nicht durchsetzen. Nach Möglichkeit ist ein Name, der die Lage der Hundezone beinhaltet einer Prominentenwidmung vorzuziehen. Dieses Kriterium erfüllt die in der Liste aufgeführte Hundezone „Linke Wienzeile (vorm Alfred-Grünwald-Park)“. Im täglichen Sprachgebrauch würde sich jedoch die Bezeichnung „(Alfred-)Grünwald-Hundezone“ durchsetzen. Wie unter dem Punkt „Begriff: Hundezone“ ausgeführt gibt es in Wien Schilder mit der Aufschrift „Hundezone“, „Hundeauslaufplatz“ und „Hundeauslaufzone“, einmal sogar zwei unterschiedliche Ausdrücke in derselben. Einblick in die vorgefundenen Strukturen, Flächenausmaße, Nutzungsmöglichkeiten lassen sich allerdings für den/die HundehalterIn nicht ableiten. Wir schlagen vor, die Definition der Bezeichnung „Hundeklo“, „Hundezone“ und „Hundeauslaufzone“ nach der Größe und Einzäunung vorzunehmen.

Ähnlich dem Aufgabengebiet des Wiener Tierschutzombudsmanns, der das Anhörungsrecht bei der Errichtung von Hundezonen innehat und engagiert für die Anliegen der HundehalterInnen eintritt, propagieren wir die Einstellung eines/r behördenübergreifenden Zuständigen in Hundebelangen, der/die ein wienweit einheitliches, abgestimmtes Hundezonenkonzept und –management entwerfen und überwachen kann.