1Geschichte der Hundehaltung in der Stadt

Im Mittelalter wurden Hunde einerseits nach ihrer Nützlichkeit und Arbeitsfähigkeit beurteilt, hier sind insbesondere Zughunde, Jagdhunde, Wachhunde, Treibhunde und Hütehunde zu nennen. Andererseits wurde zwischen den „edlen“ Luxushunden des Kaiserhauses, Adels und begüterten Bürgertums und den „gewöhnlichen“, als unedel angesehenen Bauern- und Fleischhackerhunden unterschieden.

In Wien als Residenzstadt der Habsburger wurde eine große Anzahl an kaiserlichen Jagdhunden gehalten, für deren Versorgung und Unterbringung die so genannten „Rüdenhäuser“ errichtet wurden. Nur die ausgebildeten und daher wertvollsten Leithunde und die aus England importierten Hunde wurden ganzjährig in den Rüdenhäusern untergebracht und bevorzugt behandelt, die herrschaftlichen Jagdhunde mussten in der jagdfreien Zeit von den Untertanen, besonders den BewohnerInnen des Weißgerberviertel, und den Fleischhackern, im Rahmen der verordneten „Hundelege“ verpflegt und gehalten werden. Zeitweise mussten auch die eigenen Hunde - vor allem für die gefährliche Wildschweinjagd - zur Verfügung gestellt werden (vgl.  Blaschitz 1999; Laichmann 1998, S. 6).

Neben dem Adel hatten vor allem Fleischhacker, Müller und Bauern Bedarf an großen Hunden und konnten diese ausreichend ernähren. Diese Nutzhunde wurden als Treiber von Viehherden, als Rattenfänger, als Zughunde - ein billiges Transportmittel der einfachen Bevölkerungsschichten - und als Wächter eingesetzt. Auch die Gemeinde Wien ließ ihre öffentlichen Gebäude, wie Schulen, Bäder, Friedhöfe von „Diensthunden“ bewachen (vgl. Laichmann 1998, S. 8).

Im Gegensatz zu den verachteten aber geduldeten Arbeitshunden, wurden die „unnützen“ Hunde als überflüssig angesehen. „Bei etwa 240.000 Einwohnern um 1815 soll es circa 30.000 Hunde in Wien gegeben haben, wovon ein Großteil wohl zu denen gehört, die auf der Futtersuche herumstreunten. Schätzungen der Polizei nach wurden in manchen gar nicht so großen Häusern dreißig bis vierzig Hunde gehalten“ (Laichmann 1998, S.10). Es überrascht nicht, dass diese schlecht versorgten Hunde in den herrschaftlichen Jagdgebieten wilderten, was zahlreiche strenge Gesetze zur Folge hatte, die die Bewegungsfreiheit der Bauernhunde durch Kettenhaltung, „Prügeln“, dem Anhängen eines schweren Stockes um den Hals, oder sogar durch Lähmen einschränkten. Ein Großteil der Stadtbevölkerung war Selbstversorger. Während sich die großen Tiere, wie Rinder, auf den Weiden vor der Stadt befanden, liefen kleinere Haustiere, wie Geflügel, Schweine aber auch Hunde, frei herum.

Von der Tollwut befallene Hunde wurden vom Wasenmeister, Abdecker oder Hundeschläger sofort getötet, streunende Hunde wurden gefangen, nach Ablaufen einer Frist getötet und die Kadaver entsorgt, für alle anderen galt diese Tätigkeit als ehrlos. „Verschiedene Gründe führten zu diesen Hundevernichtungsaktionen: Neben dem Problem der Fäkalienbeseitigung war es die Störung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung“ (Blaschitz 1999). Ein bei den Ausgrabungen am Judenplatz in einem um 1386 erbauten Brunnen gefundenes Hundeskelett eines windhundartigen Hundes belegt diese im Mittelalter durchaus übliche Entsorgungsmethode von Tierkadavern (vgl. Czeika, S. 2000, S. 48ff).

Die Hunde wurden im Mittelalter aber nicht nur als Arbeitstiere eingesetzt, sondern dienten, so Blaschitz (1999), auch der Rohstoffgewinnung: „Die herangezogenen Quellenstellen erlauben die Schlußfolgerung, daß Produkte in großer Vielfalt aus caniden und feliden Materialien hergestellt wurden: Aus Hunde- und Katzenhaut wurde Leder gegerbt, Hunde- und Katzenfell wurde zu Pelz veredelt, die Knochen beider Haustiere wurden verwertet, ebenso wie Fleisch, Fett, Innereien und Kot.“

Im 18. Jahrhundert fand die Wiener Bevölkerung besonderen Gefallen an – in eigens errichteten Hetztheatern, das bekannteste in der Hetzgasse, dem heutigen 3. Gemeindebezirk – veranstalteten Tierhetzen. Nicht nur die Hunde des Veranstalters auch die eigenen Hunde wurden bei diesen Spektakeln aufeinander und auf Wildtiere, wie Hirsche, Bären, Wölfe, Ochsen gehetzt. „Im Zeitalter der Aufklärung in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurden kritische Stimmen, die die Hetze als Tierquälerei und unnötig blutiges Schauspiel sahen, lauter; der tierschützerische Standpunkt setzte sich schließlich durch    eine Geisteshaltung, die schließlich Mitte des 19. Jahrhunderts zur Gründung von Tierschutzvereinen führte“ (Laichmann 1998, S.17). Sowie in weitere Folge zur Errichtung der ersten Hunde- und Tierschutzhäuser für herrenlose Hunde und Katzen in Wien.

Ganz anders erging es den als Prestigeobjekt und Statussymbol gehaltenen unnützen, weil nicht arbeitenden „Luxushunden“ der Oberschicht, die „als Zeichen des demonstrativen Müßigganges“ (Laichmann 1998, S. 18) dienten. In diesem Zusammenhang entstanden neue Dienstleistungszweige wie Hundewäscher, Tierhändler, Pudelscherer und Hundezüchter. Erst seit der Wende des 19. zum 20. Jahrhundert wurde von England ausgehend mit der Auslesezucht begonnen und somit der der erste Schritt für die Entstehung der heutigen Rassen gelegt.

Wie Blaschitz anführt, fällt gerade in das 19. Jahrhundert „überhaupt der Beginn der Heimtierhaltung breiter Bevölkerungsschichten. Die Erscheinung steht in einem ursprünglichen Zusammenhang mit der Industriellen Revolution und der massenhaften Landflucht: Für die ländlichen Zuwanderer stellte das Heimtier Verbindung zur verlorenen Natur, Trost in ihrer katastrophalen wirtschaftlichen und sozialen Situation, und (das gilt besonders für den Hundebesitzer) mitunter ein Ventil für Aggressionen dar“ (1999).

Diese Entwicklung setzte sich bis heute fort. Die geänderte Beziehung zu Hund und Katze findet auch in den gesetzlichen Bestimmungen Niederschlag. Gerade in Großstädten werden vorwiegend Begleit- und Familienhunde als „Seelentröster“ und Sozialkumpan geschätzt. Die positive Wirkung, die die Gesellschaft eines Tieres auf den Menschen hat, wird in den letzten Jahrzehnten vermehrt erforscht und genutzt (vgl. Vor- und Nachteile der Hundehaltung).