1Vor- und Nachteile der Hundehaltung in der Stadt

1.1Positive Aspekte der Hundehaltung

Hunde polarisieren und spalten die Gesellschaft in HundebefürworterInnen und HundegegnerInnen. „Keinem anderen Wiener Stadtbewohner werden so extreme Gefühle entgegengebracht wie dem Hund. Für die einen ist er der treue Freund, der zuverlässigste Partner, der oft sogar Vorrang vor menschlicher Gesellschaft genießt. Für die anderen ist er Ärgernis schlechthin, unappetitlich, laut und gefährlich. Kaum jemand, der in der Hundefrage unparteiisch ist, der nicht eindeutig einem der Lager zugeordnet werden kann“ (Kose et al. 2000, S. 5).

Hunde sind schon seit Jahrtausenden Begleiter des Menschen. In dieser langen Zeit der Co Evolution änderten sich die Lebensumstände stark, und mit ihnen die Beziehung der beiden artfremden Partner. Vom Nahrungskonkurrenten zum Restevertilger bis hin zum Jagdgefährten und Hofbewacher. Die Umstände änderten sich noch einmal als die Menschen sich mehr zusammendrängten zu den heutigen Städten (vgl. Kapitel Die Stadt) Welchen Beitrag kann der Hund leisten für den „modernen“ Mensch in der Stadt ohne die tägliche Jagd und ohne Haus und Hof?

Physische Faktoren

Der Hund braucht Bewegung. Mehrmals täglich fordert er seine/n BesitzerIn mit ihm ins Freie zu gehen unabhängig von Wetter und Jahreszeit (vgl. Fröhlich et al. 2003, S. 15). Die regelmäßige Bewegung fördert dabei nicht nur die Gesundheit des Hundes sondern auch die seines/r Halters/In. Das tägliche Radfahren, Joggen oder Spazierengehen an der frischen Luft stärkt dabei nachweislich das Immunsystem. Es ist ein gutes, allgemeines Ausdauertraining, das die allgemeine Konstitution des Körpers stärkt. Alleine die Tätigkeit bedingt ein moderates Krafttraining des Bewegungsapparates, ganz ohne Fitnesscenter. Das Herz-Kreislaufsystem wird trainiert (vgl. Bergler 2000, S. 277f)

Das Hormonsystem im Körper kommt dabei wieder ins Gleichgewicht und dies hilft aktiv Stress abzubauen. Gerade in der Stadt ist dieser Einfluss bedeutsam. Auch Ältere Menschen haben einen Vorteil durch Heimtierhaltung. Sie werden zu Aktivität gezwungen. Ein Mangel an Bewegung ist die Hauptursache von Krankheiten im hohen Alter. „Hier fordert und fördert gerade ein Hund den Menschen auch körperlich, verschafft ihm Körperbewegung und damit ein gewisses Kreislauftraining.“(Bergler 2000, S. 199)

Heutzutage ist Bewegungsanimation auch für Kinder wichtig. Sie werden motiviert ihrem meist schon verkümmerten Bewegungsdrang nachzugehen. Dies hat nicht nur für alte Menschen einen positiven Effekt auf die Gesundheit.





Psychische Faktoren

Einen Beitrag kann der Hund aber auch für die psychische Gesundheit leisten, sofern man Körper und Geist getrennt betrachten kann. In ihrem Sozialverhalten sind sich zwei so verschiedene Arten wie der Mensch und der Hund eigentlich sehr ähnlich. Historisch sind wir Rudeltiere und auch genetisch auf Zusammenleben vorprogrammiert. Mensch wie Hund fühlen sich in Gesellschaft wohl und leiden, wenn sie alleine sind (siehe Der Hund als Haustier).

Die Kommunikation unter Menschen leidet oft unter Vorurteilen, Berührungsängsten und unausgesprochenen Eigeninteressen. Wie im Kapitel der Hund als Haustier beschrieben, kommunizieren Hunde nahezu ausschließlich über Mimik und Gestik. Die Kommunikation verläuft auf der Gefühlsebene. Ein Hund zeigt, was er sich denkt und wie er sich fühlt. In der Verständigung gibt es so nur wenige Missverständnisse. Anders dagegen die Kommunikation beim Menschen. Wie schon im Kapitel Methodik erkennbar, ergibt sich in einer Interviewsituation kein linearer Zusammenhang zwischen einer Frage und der Antwort darauf. Immer muss die Intention der Person dazwischen, in die Antwort miteinbezogen werden. Atteslander (2000, S. 114) beschreibt diese Mechanismen in dem S → P → R Modell. Diese Dinge sind dem Hund fremd. Als verlässlicher und treuer Partner, der geduldig und wertfrei „zuhört“, spielt die non-verbale Kommunikation die wichtigere Rolle. Er lebt zu hundert Prozent die einmal aufgebaute Beziehung. Ein sehr wichtiger Aspekt für Hilfesuchende. Hunde spüren die Stimmung des menschlichen Partners und spenden Trost. Sie handeln nicht berechnend, sie vermitteln nicht nur das Gefühl, akzeptiert zu werden, wie man ist, sie tun es tatsächlich (vgl. Greiffenhagen 1991, S. 56ff). Ein Hund kennt grundsätzlich keine Vorurteile. Weder körperliche noch geistige Behinderung, Alter, Aussehen oder wirtschaftlicher Erfolg sind wichtig für einen Hund. Er geht ohne Zurückhaltung auf Menschen zu und scheut dabei auch keinen Körperkontakt. Dies wird in der tiergestützten Therapie genutzt. Diese Therapieform ist mittlerweile ein eigener Forschungszweig geworden.

Hunde fördern das Selbstwertgefühl und tragen positiv zur Persönlichkeitsentwicklung besonders von Jugendlichen und Kindern bei. Studien und Untersuchungen über die Wirkung von Hunden in der Familie aber auch als Unterstützung in der Schule belegen die positiven Effekte, die meist allein die Anwesenheit eines Hundes erzeugt (vgl. Bergler 1986, S. 2f; Monshi et al. 2001, Grotzeck 2001, S. 28).

Aufsehen erregte eine Untersuchung bei HerzpatientInnen nach einer Herzoperation. Dabei fiel auf, dass PatientInnen mit Heimtieren eine höhere Überlebenschance hatten als die restlichen ProbandInnen. Nachdem andere Faktoren wie ein Mehr an Bewegung oder ein allgemein besserer Gesundheitszustand der TierbesitzerInnen ausgeschlossen werden konnten, kamen die ForscherInnen zu dem Ergebnis, dass überwiegend die Haltung von Tieren die Überlebenschancen steigert. Sie konnten nachweisen, dass die Anwesenheit von Tieren den Blutdruck senkt und den Herzschlag verlangsamt. Auch andere Parameter, die das Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung charakterisieren, wurden gesenkt, und somit die positive psychologische Wirkung von Tieren wissenschaftlich bestätigt (vgl. Bergler 2000, S. 275).

Ein weiterer wichtiger Aspekt für Hundehalter ist das Gefühl der Liebe, die ein Hund vermittelt. Seine aufrichtige Freude steckt an und vermittelt Geborgenheit, da man sich sicher sein kann, dass er bei einem bleibt. Sicherheit erzeugt er natürlich auch durch seine Beschützerfunktion für Haus und Familie. Er kann selbst aktiv sein oder er wirkt durch seine Anwesenheit als Abschreckung für potentielle Angreifer (vgl. Broschüre Sicher mit Hund!).

Soziale Faktoren

Dass Tiere, im speziellen Hunde, bei der Arbeit mit Menschen einen Beitrag leisten können, hat erstmals der Kinderpsychologe Boris Levinson herausgefunden. Bei einer Therapiesitzung war zufällig sein Hund anwesend. Ein verhaltensauffälliges und Kontakt verweigerndes Kind wurde von dem Hund begrüßt, und auch das Kind begann sofort mit dem Hund zu reden. Eine Sensation, da bislang alle Versuche gescheitert waren, mit dem autistischen Kind zu kommunizieren. Dies zog weitere Versuche nach sich und Levinson erkannte die Möglichkeit Hunde als „Kontaktbrücke“ zu nutzen. Sie sollen „das Eis brechen“ und die Kommunikation erleichtern und in manchen Fällen erst ermöglichen.

Hunde sind Katalysatoren der Kommunikation. Untersuchungen in einem Altersheim in Deutschland haben gezeigt, dass „Tiere die zwischenmenschlichen Kontakte keineswegs ersetzen, sondern im Gegenteil sogar fördern.“ (Leugner et al. 2002, S. 52). Ein weiterer Vorteil der für die Hundhaltung in der Stadt spricht. Der Hund ist vor allem unter HundebesitzerInnen Gesprächsthema, aber auch mit anderen Menschen kommt man in Begleitung eines Hundes schneller in Kontakt. Ein Test im Londoner Hydepark, bei dem ProbantInnen einmal mit Hund, einmal mit Kinderwagen und einmal alleine spazieren gehen sollten und dabei die Kontakte mit anderen Personen gezählt wurden, bestätigt dies. Die meisten sozialen Zusammentreffen hatten die Spaziergänger mit Hund (vgl. Messent 1980, S. 20ff).

Besonders für einsame Menschen in der Stadt ist es wichtig Kontakt mit anderen zu haben, auch wenn nicht eine tiefe Freundschaft daraus entsteht. Der/die HundehalterIn wird gekannt und kennt sein/ihr Umfeld. Zwar neigen viele HundebesitzerInnen für lange Spaziergänge die extra ausgewiesenen Freiflächen mit großen Auslaufmöglichkeiten, die sich weiter entfernt befinden, zu besuchen, trotzdem werden zumindest einmal am Tag auch die Freiflächen in der unmittelbaren Umgebung genutzt (vgl. Fröhlich et al 2003, S. 13). Nahversorger werden aufgesucht und Gleichgesinnte der Nachbarschaft getroffen. Dies fördert die Identität und das Zugehörigkeitsgefühl zu seinem Wohngebiet. Auch derzeitige Bemühungen durch die Agenda 21-Bewegung streben eine Identifizierung mit dem eigenen Grätzel an. Ein wichtiger Punkt der regionalen Entwicklung und einer nachhaltigen Wohnzufriedenheit (vgl. Kapitel Die Stadt).

Da Hunde hauptsächlich mit Mimik und Körpersprache kommunizieren, fördern sie bei Kindern das Einfühlungsvermögen und die Aufmerksamkeit. Wenn man einen Hund verstehen will, muss man ihn beobachten und sich in ein anderes Wesen hineindenken. Empathie ist besonders zur differenzierten menschlichen Kommunikation wichtig. Um das Gesprochene plus Kontext verstehen zu können, ist es bedeutsam sich in sein Gegenüber hineindenken zu können. Der Hund ist ein Miterzieher für Kommunikationsfähigkeit.

Ein Hund benötigt in der Stadt die Hilfe des Menschen. Er frisst zu bestimmten Zeiten, er braucht tägliche Beschäftigung und regelmäßig Futter. Kinder aber auch Erwachsene lernen so einen geregelten Tagesablauf einzuhalten und sich um das Wohlergehen eines Anderen zu kümmern. Dieses Gefühl gebraucht zu werden und einen gewissen Alltag zu haben, hilft besonders alten Personen und Menschen, die in schwierige Lebensumstände gekommen sind. Lebenskrisen werden leichter überwunden wenn man weiß, was als nächstes zu tun ist.

In der Partnerschaft und in der Familie schafft er Anreize für gemeinsame Aktivitäten, fördert so das Gemeinschaftsgefühl und stärkt den Zusammenhalt. Karen Allen von der Medizinischen Fakultät der University of New York and Buffalo fand heraus, dass Paare, die mit einem Hund zusammenleben, glücklicher sind, besser mit Konflikten umgehen und eine stärkere Bindung verspüren als andere Paare (vgl. Handout Allen).

Ein weiterer Aspekt ist, dass Hunde ihre/n BesitzerIn freundlicher erscheinen lassen. TierbesitzerInnen werden meist als sympathisch wahrgenommen. Tests haben belegt, dass Menschen besser beurteilt werden, wenn sie ihr Tier bei sich haben. Nicht ohne Grund werden Hunde in der Werbung verwendet und PräsidentInnen, SportlerInnen oder Filmstars lassen sich gerne mit ihren geliebten Vierbeinern ablichten. Wer einen Hund bei sich hat, wird eher als sympathisch und freundlich eingeschätzt (Bedürftig 2001, S. 24).

Vorteile für die Kommune

Ein wichtiger Punkt in der heutigen Kapitalgesellschaft ist natürlich Geld. In dem Buch „Faktor Hund“ wurde eine sozi-ökonomische Bestandsaufnahme der Hundehaltung in Österreich vorgenommen. Hier leben 1998 ungefähr 600.000 Hunde, und der/die durchschnittliche HundebesitzerIn gibt ungefähr 1.000 Euro pro Jahr aus. Wenn man noch bedenkt, dass deren HalterInnen scheinbar gesünder sind und somit das Gesundheitssystem weniger belasten, ergibt sich eine sehr positive Bilanz der Kosten Nutzenrechnung für die Allgemeinheit, also auch für die NichthundehalterInnen (vgl. Kotrschal et al. 2004, S. 16ff).

Ein weiterer Vorteil für alle ist die schon erwähnte Belebung des direkten Wohnumfeldes. Der/die HundebesitzerIn ist auf fußläufige Grünräume in der Nähe angewiesen und nutzt diese regelmäßig. Die Nachbarschaft wird wiederentdeckt. Das Grätzel gewinnt wieder an Bedeutung. Eine vermehrte Nutzung in den frühen Morgenstunden und am späten Abend erhöht besonders in Begleitung eines Hundes die soziale Kontrolle und somit auch die Sicherheit anderer (vgl. Fröhlich 2003, S. 23).

Der Hund wacht, warnt und wehrt etwaige Angreifer ab, die seiner Menschenfamilie übel wollen könnten. Der Hund lotst Blinde und Behinderte durch den Verkehr, er findet Verschüttete und Verunglückte, entlarvt den Dealer, leistet Einsamen Gesellschaft und ist idealer Spielkamerad unserer Kinder. Der Hund hält uns in Atem und bringt manchen bequemen Sesselmenschen zum Walken oder gar Joggen - ein unschätzbarer Gesundheitsbeitrag“ (Bedürftig 2001, S. 13). Zusätzlich ist die Hundehaltung ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftsfaktor und führt zu einem bewussteren Erleben des Wohnumfeldes.

1.2Probleme der Hundehaltung

Der Hund ist ein Lebewesen und in der Stadt auf die Pflege des/der Besitzers/In angewiesen. Dies ist eine große Verantwortung und wird oft nicht in vollem Umfang wahrgenommen. Durch richtige Haltungsbedingungen bei gleichzeitiger Wahrnehmung der Verantwortung können schon viele Probleme bei der Haltung von Hunden in der Stadt vermieden werden (siehe Der Hund als Haustier).

Jeder darf einen Hund besitzen, aber oftmals fehlt das Wissen über zu erwartende Belastungen und die Bedürfnisse des Tieres. Der Hund wird in einer spontanen Aktion angeschafft. Die Novellierung des Tierschutzgesetzes ist ein wichtiger Beitrag, da nunmehr keine Hunde in Zoohandlungen angeboten werden dürfen. Der Weg zu einem/r ZüchterIn führt zu einer bewussten Entscheidung und zu einer professionellen Beratung.

Die Gefährdung durch Hunde ist eine Problematik der Hundehaltung. Hunde, die unter für sie schlechten Bedingungen gehalten werden, zeigen Verhaltensstörungen und sind im schlimmsten Fall sogar eine Bedrohung für den Menschen. Sie sind verängstigt oder extrem gestresst. Aggression ist die Folge. Eine gefährliche Situation besonders für die Menschen in ihrem direkten sozialen Umfeld. Hier passieren auch die meisten Unfälle mit Hunden (vgl. MA 60, mündliche Mitteilung).

Auf die Kampfhundediskussion kann und soll hier nicht näher eingegangen werden. Neben dem Verweis auf relevante Studien (vgl. Feddersen-Petersen 1997, S. 284ff; Grotzeck 2001) nur soviel: In Wien wird die Bissproblematik nicht wie in anderen Ländern (Deutschland, Spanien) durch Erstellung von Listen behandelt, die nicht nur der wissenschaftlichen Untermauerung entbehren sondern auch durch die Bissstatistiken nicht gestützt werden, vielmehr durch die Sanktionierung einzelner, auffällig gewordener HundebesitzerInnen. Diese Regelung baut auf die Verantwortung der HundehalterInnen und stellt nicht „…den Hund als alleinigen Verursacher eines menschengefährdenden Verhaltens dar“ (Feddersen-Petersen 1997, S. 284). Die Novellierung des Wiener Tierhaltegesetzes 2005 ermöglicht der Behörde vor dem so genannten „Freibiss“ Vorkehrungen wie die Absolvierung des gesetzlich vorgeschriebenen Hundeführscheines anzuordnen. Wichtig bei der Beurteilung von Bissstatistiken wäre ein Bezug auf die Rassenverteilung in der Gesamtpopulation.

Im Zuge unserer Interviews wurde vereinzelt von den HundezonenbenutzerInnen berichtet, dass die Zonen abends zum Scharfmachen von (Kampf-)Hunden genutzt werden. Nach Aussage einer Befragten in der Hundezone beim Angelibad konnten derart gesinnte Hundehalter verscheucht werden mit der Androhung der Polizei. Dies unterstreicht die Bedeutung sozialer Kontrolle für die Sicherheit auch in den Hundezonen (vgl. Hundezonennutzerinnen-Befragung).

Die Belästigung der StadtbewohnerInnen durch Lärm ist ein häufig genanntes Problem. Angstzustände werden oft durch Bellen angezeigt. Diese Lärmbelästigung führt dazu, dass in vielen Häusern in Wien das Halten von Hunden verboten ist. „Bellen gehört mit seinen verschiedenen Untergruppen zum ausgeprägten und differenzierten Lautäußerungsverhalten der Haushunde, ist also wichtiger Bestandteil ihrer akkustischen Kommunikation“ (Feddersen-Petersen 1997, S. 270). Bellen kann sowohl Unbehagen wie Wohlbefinden ausdrücken.

Der Freiflächenkonflikt ist ein weiteres Argument gegen die Hundehaltung in der Stadt aufgrund des Platzbedarfes ausgewiesener Hundebereiche. Durch die praktizierte Funktionstrennung wird der begrenzte Raum wird eine weitere NutzerInnengruppe besucht und okkupiert. „Damit wird die Konkurrenz um die raren Freiflächen in der Stadt um eine Nutzergruppe erweitert und der Nutzungsdruck verschärft“ (Kose et al. 2000, S. 20). Die gleichzeitige Nutzung mit anderen bedarf neuer Überlegungen.

Bei einer Umfrage wurde von den BürgerInnen der Stadt Wien der Hundekot auf den Straßen als Problem Nummer eins genannt (vgl. Risser 2002, S. 125). In der Stadt fallen pro Tag laut einer Hochrechnung von im Schnitt 14 23 Tonnen Hundekot an (vgl. Fröhlich et al 2003, S. 3). Dieser wird meist in Grünflächen abgesetzt. Grünflächen sind vor allem in der inneren Stadt selten und dementsprechend stark verschmutzt. Durch die große Menge und die Verteilung fällt der Stadt mit der Reinigung eine umfangreiche Aufgabe zu, besonders weil sie für diese Art von Verschmutzung gar nicht zuständig ist. Die Verunreinigung der öffentlichen Flächen ist strafbar, wird aber kaum sanktioniert. Es gilt als Kavaliersdelikt seinen Hund sein Geschäft auf der Straße verrichten zu lassen (vgl. Hund und Recht).


Abb. 10: Hundekotproblem

Der Hund ist ein Fleischfresser und deshalb ist auch sein Kot reich an Nitraten, was dazu führt, dass die Exkremente aufgrund der schlechten Abbaubarkeit kein optimaler Pflanzendünger sind. Der Hundekot ist Träger von Krankheitserregern, und ist besonders für Kleinkinder gefährlich, die mit ihm durch oralen Kontakt in Berührung kommen können. Dies ist ein Grund, warum Hunde auf Spielplätzen verboten sind.

Der Kot stellt vor allem im Sommer eine hohe Geruchsbelästigung dar. Im Frühling nach der Schneeschmelze ist der über Monate konservierte Kot nicht nur ein ästhetisches Problem.

Die vorher genannten Probleme gilt es zu lösen. Lärm, Verschmutzung und die Gefährdung durch Hunde verhindern vielfach Mehrfachnutzung in städtischen Freiräumen. Eine oftmals praktizierte Reaktion auf die Probleme durch Hundehaltung in der Stadt ist die Ausweisung von Hundeverbotszonen. Besonders die Verschmutzung durch Hundekot scheint hier ein unlösbares Problem. Zu dieser Problematik existieren zahlreiche Studien auf die hier verwiesen werden soll (vgl. Ehmayer 2002; Kose et al 2000; Möslinger 2003).